Corporate Governance: Mit Stakeholder Value Aktionäre erfreuen

Wie gute Unternehmensführung alle Anspruchsgruppen zu Gewinnern machen kann

Keyfacts

  • Regulierung zwingt Unternehmen zunehmend zu einer Wirtschaftsweise, die auf das Gemeinwohl zielt.
  • Firmen sollten sich nicht nur von Regulationen treiben lassen.
  • Wer auf die Interessen aller Stakeholder achtet, schafft sich einen Wettbewerbsvorteil.
Jens C. Laue
  • Partner, Head of Corporate Governance Services
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Die Zeichen stehen auf Umschwung – auch in der Wirtschaftswelt.

In den USA gelobten vor Kurzem mehr als 180 CEOs führender Unternehmen in einem Statement, Umwelt und Gesellschaft dienen zu wollen – und nicht nur ihren Anteilseignern. In Deutschland setzen sich im Rahmen der Initiative „Entrepreneurs for Future“ über 3.500 Firmen für den Klimaschutz ein. Tendenz: steigend.

Diese Entwicklungen stehen für einen Paradigmenwechsel: Weg vom reinen Shareholder Value hin zu mehr Stakeholder Value. Weg von ausschließlicher Gewinnmaximierung für Aktionäre bzw. Investoren hin zu einer Wirtschaftsweise, die Rücksicht auf alle Anspruchsgruppen nimmt – auf die Öffentlichkeit genauso wie auf Zulieferer, Kunden und Arbeitnehmer.

Festzuhalten ist: Für Unternehmen mit guter Corporate Governance ist dieses Paradigma nicht neu. Sie folgen ihm schon lange. Nicht nur aus moralischen und regulatorischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen:

Grund 1: In Einklang mit den Regulationen

Regulatorische Anforderungen werden immer zahlreicher und die Zeitspannen, in der eine Regelung die nächste ablöst, immer kürzer. Allein in den vergangenen beiden Jahren hat die EU gleich drei bedeutende Neuerungen umgesetzt: zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, zum Umgang mit Hinweisgebern und zur Berichterstattung über nichtfinanzielle Belange.

Darüber hinaus haben sich etwa auch die Vorschriften für den Datenschutz und für das Supply-Chain-Management verschärft. Und vor der Tür stehen neue Anforderungen an eine bessere Berichterstattung zu Klimarisiken.
Vieles davon war zu Hochzeiten des Shareholder-Value-Gedankens in den Neunzigern noch kein Thema. Es ist den gestiegenen Erwartungen an verantwortliche Unternehmensführung zu verdanken, dass sich ein Korrektiv dazu ergeben hat.

In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan: Unternehmen mit guter Governance haben Compliance-Management-Systeme aufgebaut, um Geldwäsche oder Verstöße gegen Wettbewerbsrecht und Datenschutz zu vermeiden. Zudem ist Berichterstattung über Arbeitnehmerbelange, Umweltaspekte und Menschenrechte nun verpflichtend.

Diese Entwicklungen haben dafür gesorgt, dass der Stakeholder Value in Vorstand und Aufsichtsrat ein Topthema sind. Es deutet vieles darauf hin, dass das Maß an Regulierung in Zukunft noch zunehmen wird.

Unternehmen, die diese Anforderungen an ihre Corporate Governance umsetzen, haben also eines gemeinsam: Sie orientieren sich schon längst am Wohle ihrer Stakeholder – und ihnen steht keine mühsame Umorientierung in naher Zukunft bevor.

Grund 2: Gemeinwohlorientierung als Chance

Aber es geht um mehr als nur die Einhaltung von regulatorischen Vorschriften. Eine gut gelebte Corporate Governance, die sich mit den Interessen aller Stakeholder beschäftigt, stellt auch einen klaren Wettbewerbsvorteil dar:

Fachkräfte halten Ausschau nach Arbeitgebern, mit denen sie sich identifizieren können. Kunden wollen zunehmend Produkte mit gutem Gewissen kaufen. Und Zulieferer sowie Anleger suchen nach Unternehmen, die mit nachhaltigen Geschäftsmodellen Gewinne machen. Firmen, die das Gemeinwohl zu einem Kernanliegen machen, schaffen deshalb auch einen wirtschaftlichen Vorsprung für sich selbst.

Es ist also höchste Zeit, gestiegene Anforderungen nicht immer nur als administrative Last oder Hemmschuh für die Geschäftsentwicklung zu sehen. Stattdessen sollte die Chance genutzt werden, daraus einen Mehrwert für das Unternehmen zu schaffen – vielleicht sogar, indem Firmen strenger mit sich sind, als es die Regulatorik vorsieht.

Vorstände und Geschäftsführung sollten die Vorschriften als Gelegenheit begreifen, sich mit den Anliegen ihrer Stakeholder zu beschäftigen. Und Aufsichtsräte sollten es als Teil ihrer Überwachungsaufgabe verstehen, eben das zu überprüfen.

Sich ergänzende Konzepte

Stakeholder oder Shareholder Value? Dieser Gegensatz, wie er in der aktuellen Berichterstattung teilweise auftaucht, ist falsch. Vielmehr ist es so, dass die Konzepte sich ergänzen.

Unternehmen mit guter Corporate Governance berücksichtigen ihre Stakeholder stärker – und schaffen so gleichzeitig mehr Wert für ihre Shareholder. Sodass am Ende alle gewinnen.

Jens C. Laue
  • Partner, Head of Corporate Governance Services
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist.