Servicetechniker in Arbeitskleidung hält Werkzeug in der Hand und steht vor einer Wärmepumpe.

Diese Faktoren entscheiden über die Zukunft der Wärmepumpe

Jetzt entscheidet sich, ob aus politischem Anspruch ein tragfähiges Geschäftsmodell wird.

Keyfacts:

  • Der deutsche Wärmepumpenmarkt ist von politisch gefördertem Boom in eine Phase der Marktkonsolidierung und des Verdrängungswettbewerbs übergegangen. 
  • Die Nachfrageschwäche ist weniger technologisch bedingt als Folge von Vertrauensverlust durch regulatorische Unsicherheit und volatile Rahmenbedingungen. 
  • Die nächste Wachstumsphase erfordert Systemintegration, industrielle Skalierung und belastbare Marktlogik statt einzeltechnologischer Förderung.

Die Wärmepumpe ist zur Projektionsfläche der deutschen Wärmewende geworden. Kaum eine Technologie wurde politisch stärker aufgeladen, medial intensiver diskutiert und industriell massiver hochskaliert. Und bei kaum einer anderen ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität so groß. Der deutsche Markt erlebte einen klassischen Übergang von politisch induziertem Boom zu marktwirtschaftlicher Ernüchterung. Entscheidend ist nun, ob aus dieser Phase eine tragfähige zweite Wachstumswelle entsteht. Oder eine strukturelle Vertrauenskrise. 

Marktentwicklung und Verdrängungswettbewerb

Der deutsche Wärmepumpenmarkt ist kein Nischenmarkt mehr. Mit einem Marktvolumen von rund 10 bis 12 Milliarden Euro gehört er längst zum industriellen Kern der Energiewende. Dabei vereinen fünf große Hersteller rund zwei Drittel der Marktanteile auf sich. Parallel drängen internationale Mitbewerber aus Asien und den USA mit aggressiven Investitionsprogrammen in den europäischen Markt. 

Diese Angebotsseite hat in den vergangenen Jahren massiv vorgelegt: neue Fabriken, Milliardeninvestitionen, Kapazitätsausbau auf Basis politischer Zielmarken von bis zu einer Million installierter Wärmepumpen pro Jahr bis 2030. Doch die Nachfrage hat diese Dynamik im vorletzten Jahr abrupt nicht mehr mitgetragen. Nach einem Rekordabsatz von rund 330.000 Wärmepumpen im Jahr 2023 brach der Markt 2024 deutlich ein. Erst im ersten Halbjahr 2025 war mit rund 139.000 abgesetzten Wärmepumpen eine vorsichtige Stabilisierung erkennbar – auf deutlich niedrigerem Niveau als erwartet. 

Was es braucht, damit die Wärmepumpe „Technology of Choice“ wird

Das Ergebnis ist ein klassisches Marktparadox: Überkapazitäten bei Herstellern treffen auf Nachfrageschwäche bei Endkunden. Die Ursachen liegen weniger in der Technologie selbst. Viel eher ist der Grund ein massiver Vertrauensverlust. Unsicherheiten rund um das Gebäudeenergiegesetz, kurzfristige politische Korrekturen und eine emotionalisierte öffentliche Debatte haben Investitionsentscheidungen aufgeschoben. Und das im privaten Eigenheim ebenso wie im Bestand der Gewerbe- und Wohnungswirtschaft. 

Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb. Internationale Hersteller nutzen Preisdruck und Skaleneffekte, um Marktanteile zu gewinnen. Die Konsolidierung nimmt zu, kleinere Anbieter geraten unter Druck. Der Wärmepumpenmarkt ist damit in eine Phase eingetreten, die weniger von Marktausweitung als von Verdrängung geprägt ist. 

Trotz aller Marktturbulenzen bleibt die Wärmepumpe allerdings energiewirtschaftlich gesetzt. Sie ist Kern der zentralen Technologie zur Elektrifizierung des Wärmesektors, insbesondere in Kombination mit Photovoltaik, Batteriespeichern und einem intelligentem Energiemanagement. Prognosen gehen davon aus, dass sich der Absatz ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wieder auf einem Niveau von rund einer Million Installationen pro Jahr stabilisieren kann. 

Die vier kritischen Erfolgsfaktoren der Wärmewende

Damit dieses Szenario Realität wird, müssen jedoch mehrere Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein. 

Erstens: Politische Verlässlichkeit
Nicht die Höhe einzelner Förderquoten ist entscheidend, sondern Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Der Markt reagiert sensibel auf regulatorische Signale. Jede Relativierung langfristiger Zielbilder übersetzt sich unmittelbar in Kauf- und Investitionszurückhaltung. 

Zweitens: Energiewirtschaftliche Plausibilität
Die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe ist abhängig vom Strompreis. Steigende Netznutzungsentgelte, volatile Strompreise und fehlende Anreize für flexible Lasten untergraben das Effizienzargument. Ohne eine klare Entlastung elektrischer Anwendungen im Wärmesektor (niedrigere Stromsteuern oder ein günstigeres Verhältnis von Strom- zu Gaspreisen, um die Elektrifizierung des Wärmemarkts zu fördern) droht eine erneute Akzeptanzkrise. 

Drittens: Umsetzungskapazität
Rund die Hälfte der Gesamtkosten einer Wärmepumpe entfällt auf Installation. Der Fachkräftemangel im Sanitär- Heizungs- und Klimahandwerk, der sich aktuell auf rund 100.000 fehlende Kräfte beläuft, wirkt damit direkt preistreibend. Verbände fordern daher gezielte Programme zur Ausbildung und Qualifizierung, um den Hochlauf der Wärmepumpentechnologie nicht zu gefährden. Förderungen haben diesen Engpass zeitweise eher verschärft als gelöst  

Viertens: Systemintegration statt Einzeltechnologie
Der Markt entwickelt sich klar weg vom isolierten Produkt hin zum Gesamtsystem aus Wärmepumpe, Gebäudehülle, Stromerzeugung und digitaler Steuerung. Wer die Wärmewende auf den Geräteaustausch reduziert, verfehlt den eigentlichen Hebel.

Was funktioniert, wenn Marktlogik auf Klimaziele trifft: Beispiel Ecoworks

Gerade in der aktuellen Phase zeigen sich die Konturen der nächsten Entwicklungsstufe der Wärmewende. Transformation im Gebäudesektor funktioniert dort am besten, wo sie nicht als handwerkliches Einzelprojekt verstanden wird, sondern als skalierbares, industriell organisiertes Produkt. 

Unternehmen wie ecoworks stehen exemplarisch für diesen Ansatz. Statt auf punktuelle Einzelmaßnahmen setzen sie auf serielle, weitgehend vorgefertigte Sanierungslösungen, die Bauzeit, Kosten und Emissionen gleichzeitig senken. Der Fokus liegt dabei nicht primär auf der Wärmepumpe als Kern einer Einzeltechnologie, sondern auf dem Gesamtsystem Gebäude: Gebäudehülle, Energiebedarf, Betriebskosten und Wertentwicklung werden integriert und datenbasiert betrachtet. 

Emanuel Heisenberg, Gründer und CEO von Ecoworks, brachte diese Logik kürzlich als Gast der zweiten Folge von KPMG RealTalk auf den Punkt: 

„Wir haben ein sehr traditionelles Projektgeschäft in ein Produktgeschäft verwandelt. Das ist entscheidend, weil nur so Skalierung, Kostensenkung und Planbarkeit gleichzeitig möglich werden.“  

 

Bemerkenswert ist dabei der Perspektivwechsel auf Kundenseite. Während Dekarbonisierung in der frühen Phase stark regulatorisch motiviert war, dominiert heute eine nüchterne Marktlogik. Heisenberg beschreibt, dass es in aktuellen Kundengesprächen kaum noch um Klimarhetorik geht, sondern um Cashflow, Werterhalt und langfristige Betriebskosten. Klimaneutralität entsteht in diesem Modell nicht mit politischen Incentives, sondern als Resultat ökonomischer Optimierung. 

Solche Modelle zeigen, was dem Gesamtmarkt derzeit fehlt: Skalierung, Standardisierung und belastbare datenbasierte Entscheidungsgrundlagen. Sie sind noch Nische, aber ein realistischer Hinweis darauf, wie die Wärmewende im Gebäudesektor auch unter realen Marktbedingungen funktionieren kann. Und das jenseits von Förderlogik und Technologiedebatten. 

Ausblick

Die Wärmepumpe steht nicht vor dem Aus, sondern vor einer Bewährungsprobe. Der Kurs weist weg von politisch getriebenen Erwartungshaltungen, hin zu belastbaren Geschäftsmodellen. Entscheidend wird nun sein, ob es gelingt, industrielle Kapazitäten, regulatorische Klarheit und energiewirtschaftliche Logik wieder in Einklang zu bringen. Die Technologie ist bereit. Ob der Markt es auch ist, entscheidet sich jetzt. Planungssicherheit, stabile Förderung, finanzielle Anreize, vereinfachte Genehmigungen, Verzahnung von Gesetzen, Fachkräftesicherung und Technologieoffenheit. Diese Punkte können den Wärmepumpenmarkt stabilisieren und den Hochlauf beschleunigen.