Drei Thesen zur Zukunft der Corporate Governance

Warum die verantwortliche Umsetzung der Corporate Governance zur Notwendigkeit wird

Keyfacts

  • Firmen werden von Entwicklungen aus den Bereichen Geopolitik, Nachhaltigkeit und Technologie herausgefordert.
  • In dieser Lage ist die gute Umsetzung einer Corporate Governance nötig.
  • Ein positiver Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt wird essenziell.
Dr. Kai Andrejewski
  • Regionalvorstand Süd, Audit
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Gewinne maximieren: So hat der Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman vor rund einem halben Jahrhundert die soziale Verantwortung von Unternehmen definiert.

Nicht wenige Manager haben ihre Unternehmen gemäß dieser Maxime geführt – mit absoluter Konzentration auf die Gewinne. Sorge um Umwelt und Gesellschaft war da nur ein Extra.

Diese Philosophie könnte derzeit ferner nicht sein. Die Managementagenda wird in den nächsten Jahren von großen Herausforderungen aus drei Bereichen bestimmt: Geopolitik, Nachhaltigkeit und Technologie.

Dabei ist Corporate Governance der gesetzte Rahmen für Unternehmen. Ihn gilt es, mit Leben zu füllen und selbst weiterzuentwickeln.

Drei Thesen, warum die Umsetzung einer guten Corporate Governance heute zur Pflicht wird.

These 1: Die geopolitische Lage verlangt gesellschaftsdienliches Wirtschaften

Weltweit häufen sich die Risiken. Nur zwei Beispiele: Der Handelsstreit zwischen den USA und China droht, sich zu einem globalen Währungskrieg auszuwachsen. Und die weltweite Staatsverschuldung ist auf rund 250 Billionen US-Dollar angeschwollen. Dies entspricht etwa dem Dreifachen der Wirtschaftsleistung aller Staaten der Erde.

Diese Entwicklungen erfordern von Firmen ein umfassendes Risikomanagement. Denn interne Verwerfungen können bei gesamtwirtschaftlichen Turbulenzen schnell zu einer Krise mutieren. Das heißt auch: Die Unternehmensführung sollte auf die Einhaltung von Normen und Standards genauso pochen wie auf die von Gesetzen und Regulationen.

Unternehmen, die gesellschaftsdienliches Wirtschaften zum Kern ihrer Identität und Firmenkultur machen, stärken ihre Stabilität.

These 2: Stakeholder fordern Nachhaltigkeit

Von Anlegern über Arbeitnehmer bis hin zur Öffentlichkeit: Alle Stakeholder fordern heute Nachhaltigkeit. Und zwar im umfassenden Sinne – gegenüber der Umwelt genauso wie gegenüber der Gesellschaft und den eigenen Mitarbeitern.

Über ein Unternehmen, das die Umwelt „verschmutzt“ und Menschen „schadet“, schreibt nicht nur die Presse. Langfristig könnten ihm auch die Fachkräfte, Lieferanten und Konsumenten davonlaufen. Hinzu kommt Druck von Seiten der Anteilseigner, denn die Bedeutung von aktiven Investoren und Stimmrechtsberatern nimmt zu.

Top-Manager sind gut beraten, auf diese Entwicklungen zu reagieren und Nachhaltigkeit in das Zentrum ihres Geschäfts zu stellen. Interessant ist hier die Differenzierung zwischen regulatorischem und faktischem Klimawandel.

These 3: Umwälzungen brauchen eine technische Innovationskultur

Die Wirtschaft ist im Umbruch. Der Klimawandel schadet schon jetzt den Wertschöpfungsketten vieler Unternehmen. Schon bald könnte er die Politik dazu veranlassen, weitreichende Regulationen wie eine CO2-Steuer zu beschließen. Künstliche Intelligenz, Quantencomputer und andere technologische Innovationen haben das Potenzial, die Wirtschaftsweise vieler Firmen über Nacht auf den Kopf zu stellen.

In dieser Situation wird verantwortliche Unternehmensführung umso wichtiger. CEOs sollten sich bewusst sein, wie weitreichend die kommenden Veränderungen das eigene Geschäftsmodell in Frage stellen könnten. Und eine Innovationskultur in ihren Unternehmen etablieren, damit das Nachdenken über Alternativen zum Alltag wird.

Dabei gibt es allen Anlass zum Optimismus. Die Digitalisierung erleichtert nämlich die Umsetzung einer Corporate Governance. So kann etwa Big Data die Grundlage für mehr Transparenz in Unternehmensprozessen bilden. Zugleich bieten digitale Technologien viele Möglichkeiten, das eigene Wirtschaften noch positiver für Umwelt und Gesellschaft zu gestalten.

Fazit: Umwelt und Gesellschaft zu Kernanliegen der Unternehmensführung machen

Der Unternehmenswert wird in Zukunft über weit mehr Faktoren als über das reine Ebit bestimmt: etwa über die Fähigkeit, gesellschaftsdienlich zu wirtschaften und – im Angesicht des Klimawandels – Forderungen nach Nachhaltigkeit nachzukommen.

Die Umsetzung verantwortlicher Unternehmensführung ist also nicht mehr nur ein Extra. Sie wird Teil der Essenz – genauso wie die Entwicklung einer neuen Governance.

Die Möglichkeit, auch selbst an der Normensetzung teilzunehmen, bekommt eine neue Bedeutung.

Corporate Governance ist auch das Thema unserer nächsten „Klardenker live“-Talkshow am 8. Oktober. Melden Sie sich hier für den kostenlosen Livestream an.

Dr. Kai Andrejewski
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