Erfolgsfaktoren digitaler IoT-Plattformen

Wie Deutschlands Industrie im Plattformgeschäft punkten kann

Keyfacts

  • Der deutsche B2B-Plattformmarkt ist noch sehr fragmentiert
  • Deutsche Industriekonzerne können zu relevanten Playern im IoT-Plattformgeschäft werden
  • Die Wahl der richtigen IoT-Plattform ist geschäftskritisch
Peter Heidkamp
  • Partner, Head of Technology
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Vor drei Jahren fragte man mich, welche technologischen Trends wichtig werden und wie sich Geschäftsmodelle durch die digitale Transformation nachhaltig verändern. Ein Trend waren für mich IoT-Plattformen, die damals noch in den Kinderschuhen steckten. Es fehlten ein einheitlicher Standard und fundierte Praxiserfahrung mit der Konzeption und Umsetzung von IoT-Projekten.

IoT-Markt hat enorm Fahrt aufgenommen

Doch es hat sich viel getan in diesem Bereich. Viele Anbieter haben sich bereits positioniert oder sind dabei es tun. Fast täglich werden neue IoT-Produkte und -Services vorgestellt sowie strategische Kooperationen verkündet.

Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom sieht die deutsche Wirtschaft das Internet der Dinge als wichtigsten Technologie-Trend für Unternehmen, sogar noch vor der massenhaften Auswertung von Daten. Und laut den Marktforschern von Gartner dürfte sich die Zahl der mit dem Internet verbundenen Geräte von 2016 (6,4 Milliarden) bis 2018 (11,2 Milliarden) nahezu verdoppelt haben. Für das Jahr 2020 werden weltweit rund 20,4 Milliarden vernetzte Geräte prognostiziert.

Deutsche Industrie wäre einer der Gewinner im IoT-Plattformgeschäft

Ich finde es deshalb lohnenswert, mich an dieser Stelle nochmal näher mit IoT-Plattformen zu beschäftigen. Trotz des allgemein großen Interesses und einigen „Leuchtturmprojekten“ (z.B. von Trumpf, Miele, Telekom) herrscht in vielen Unternehmen nach wie vor Unsicherheit, wie man IoT-Projekte erfolgreich angeht. Insbesondere in bislang von der Digitalisierung eher am Rande betroffenen Industriebranchen wie beispielsweise dem Maschinen- und Anlagenbau.

Im Gegensatz zum B2C-Plattformgeschäft, das von den großen Technologiekonzernen aus den USA und China beherrscht wird, ist der B2B-Plattformmarkt noch sehr fragmentiert. Klassische deutsche Industrieunternehmen haben die Chance, zu relevanten Playern im IoT-Plattformgeschäft zu werden.

Die im Whitepaper „Tech-Transformation 2025“ aufgeführten Ergebnisse der KPMG Research Cloud weisen darauf hin, dass die Ära der zentralisierten, großen Plattformen zu Ende geht. Unternehmen und andere Organisationen wollen ihre Abhängigkeit von einzelnen Anbietern verringern. Der Trend geht zu dezentralen Strukturen, die mit Hilfe der Blockchain-Technologie realisiert werden können. Kleineren und mittelständischen Unternehmen bietet sich die Chance, branchen- und herstellerübergreifende digitale Wertschöpfungsnetzwerke zu bilden, die schnell und flexibel auf neue Kundenanforderungen und Umweltveränderungen reagieren können.

Drei wesentliche Erfolgsfaktoren

Lassen Sie mich auf drei zentrale Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung einer IoT-Plattform näher eingehen, um Klarheit in Ihr eigenes IoT-Vorhaben zu bringen und konkrete Anforderungen aufzuzeigen.

1. Kundenbedürfnisse im Mittelpunkt

Der Fokus muss sich zwingend vom Produkt auf die spezifischen Bedürfnisse der Kunden richten. Ein alter Hut möchte man meinen, aber die meisten Industrieunternehmen sind nicht um Kunden herum organisiert, sondern um Produkte – ein  Energieunternehmen um Stromzähler, ein Autohersteller um Autos, eine Bank um Konten usw.

Den Unternehmen muss es gelingen, die Bedürfnisse, Schmerzpunkte und Use Cases der Kunden in der Tiefe zu analysieren. Dies ist die Basis für die Entwicklung relevanter digitaler Angebote. Mit Design Thinking sollten nah am und gemeinsam mit den Kunden Ideen und Prototypen entwickelt werden. Dies gepaart mit einer höheren Geschwindigkeit lässt auch ein etabliertes Unternehmen sehr disruptiv werden.

2. Sicherheit geht vor

Gerade industrielle IoT-Geräte sind lukrative Ziele für Cyberkriminelle. Zum Schutz vor unerlaubten Zugriffen ist es unerlässlich, dass eine IoT-Plattform Security-Mechanismen unterstützt. Dazu zählen in erster Linie Mindeststandards wie eine End-to-End-Verschlüsselung, die separate Speicherung der generierten Nutzer- und Betriebsdaten und ein Authentifizierungs- und Autorisierungsmechanismus. Letztere können über eine Access Control List (ACL) oder die eindeutige Vergabe von Geräte-Kennungen geschaffen werden, um den Zugriff auf einzelne Ressourcen zu kontrollieren.

Geschieht dies nicht, sind die Folgen unabsehbar. Dies gilt für den Kunden als Nutzer, dessen Sicherheit, Gesundheit und körperliche Unversehrtheit, Privatsphäre und dessen Umfeld. Das gilt aber auch für Hersteller: Dringen Hacker in die IoT-Anwendung ein, drohen verheerende Imageschäden, Produktionsausfälle oder Datenverluste.

3. Auswahl der richtigen IoT-Plattform

Die individuelle Wahl der richtigen IoT-Plattformstrategie fällt vielen Unternehmen schwer. Als Mittler zwischen den „Dingen“, wie Maschinen, Autos oder anderen Gegenständen, und den „Anwendungen“, wie Web-Applikation oder mobilen Apps, bringen IoT-Plattformen bestimmte Grundfunktionen gleich mit. Sie sind deshalb für die Leistungsfähigkeit des gesamten IoT-Services Dreh- und Angelpunkt.

Grundsätzlich sind unterschiedliche plattformökonomische Geschäftsmodelle in der Industrie denk- und miteinander kombinierbar. Ob das ursprüngliche Geschäftsmodell lediglich digital angereichert und in seiner Grundform nicht verändert wird oder ein völlig neuer Service entsteht, mit dem ein komplett neues Marktsegment erschlossen werden kann, muss individuell entschieden werden. Unternehmen sollten sich deshalb vorab detailliert mit ihrem Projekt, dessen Zielen und genauen technischen Spezifikationen auseinandersetzen. Die Folgen einer Fehlentscheidung können weitreichend sein. Wenn ein Plattformwechsel durchgeführt werden muss, sind die Folgekosten enorm.

Unternehmen dürfen das Kerngeschäft natürlich nicht aus den Augen verlieren, denn es finanziert das, was sie in Zukunft aufbauen wollen. Dennoch müssen sie sich weiterentwickeln und in bestimmten Bereichen disruptiv sein. Wer den Schritt jetzt nicht geht, wird spätestens in zehn Jahren hinterherlaufen.

Wie gut ist Ihr Unternehmen für die digitale Transformation aufgestellt? Testen Sie die digitale Reife in unserem Digital Readiness Assessment.

Peter Heidkamp
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