Smartes Stadion: Verspielt, vernetzt und ökologisch

Wie nachhaltige Stadionkonzepte für Aufbruchstimmung sorgen können

Keyfacts

  • In Amsterdam wird ein Fußballstadion zu einer umweltfreundlichen und innovativen Arena weiterentwickelt.
  • Deutschland sollte dies genau beobachten und ebenfalls Konzepte für smarte Stadien erarbeiten.
  • Mit Blick auf die EM 2024 im eigenen Land könnte eine positive Atmosphäre erzeugt und der Ausbau der Smart Cities vorangetrieben werden.
Hartfrid Wolff
  • Manager Öffentlicher Sektor Corporates
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2024, Fußball-Europameisterschaft, Finale in Berlin: Deutschland trifft auf Frankreich. Leroy Sané erzielt den entscheidenden Treffer für das deutsche Team. Nicht nur fußballerisch hat sich Deutschland in den Wochen zuvor von der besten Seite gezeigt. Die Zuschauer zeigten sich auch von smarten Stadien begeistert. Sie überzeugten mit nachhaltigen Energiekonzepten, mit ruckelfreier Internetverbindung, Online-Angeboten mit Informationen zum Spiel und einem innovativen Mobilitätsportal, das die schnellste Anfahrt zum Stadium und freie Parkplätze ausweist. Deutschland Europameister 2024 und smarte Stadien – unrealistische Zukunftsträume? Was das Sportliche angeht, kommt es in fünf Jahren natürlich auf die richtige Mischung von Glück und Können an. Aber smarte Stadien sind längst Realität.

Das kann ein smartes Stadion

Das zeigt ein Blick nach Holland. In der „Johan Cruijff ArenA“ in Amsterdam wird die Entwicklung zu einer „Innovation Arena“ vorangetrieben. Zum Konzept gehören unter anderem Energiespeichersysteme, eine elektronische Fahrzeugflotte und eine nachhaltige Abfallwirtschaft. Der CO2-Ausstoß soll so auf ein Minimum reduziert werden. Beim Gebäudemanagement können die Stadion-Manager auf datengetriebene Internet-of-Things-Lösungen zurückgreifen. Selbstverständlich ist die Arena mit W-Lan ausgestattet.

Stimmung im Land könnte von klugen Stadien profitieren

Welchen positiven Effekt sportliche Großveranstaltungen haben können, wissen wir in Deutschland spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Das Land kann von einer positiven Energie erfasst werden. Und wenn die Besucher dann noch in den Genuss smarter Stadionbesuche kommen, kann sich das zusätzlich positiv auf den Wirtschaftsstandort auswirken. Deutschland wird als ein Land wahrgenommen, in dem Entwicklungen und Innovationen vorangetrieben werden und die Digitalisierung in allen Lebensbereichen erlebbar ist.

Stadionentwicklung ist auch gut für die Stadt

Für die Ausrichterstädte und die Stadionbetreiber bietet die Europameisterschaft 2024 die große Chance, den nächsten Schritt zu machen. Für die Städte ist es die Gelegenheit, das Stadion als Teil der Stadt, eingebettet in die eigene Strategie und als Innovation Hub für neue Wege und Ideen zu sehen. Und für die Clubs bietet das digitale Stadion die Möglichkeit, neue Pfade in der Fanbindung- und betreuung zu gehen. Eine weitere Option: Die Sportstätten als Plattform für örtliche oder nationale Ideen und moderne Vermarktungsmöglichkeiten zu nutzen.

Wie das Stadion Teil einer Smart City wird

Ein smartes Stadion hat einen weiteren großen Vorteil: Es kann als eine Probefeld für die Smart City dienen. Denn der Erhalt der Energieversorgung, Ver- und Entsorgungskonzepte, Sicherheitsfragen, Mobilitätsanforderungen oder schnelle und geschützte Verwaltungsabläufe – all das findet sich auch in einer Smart City wieder und kann in einem smarten Stadion schon mal in einem größeren Rahmen mit 80.000 Besuchern, unter anderem hinsichtlich Akzeptanz und Handhabbarkeit, geübt werden.

Ein Blick in die Zukunft – Ideen fürs smarte Stadion

Was ein smartes Stadion heute schon kann, sieht man in Amsterdam. Dazu kommen weitere spannende Möglichkeiten:

  • Dezentrale E-Payment-Konzepte direkt vom Sitzplatz für die Versorgung mit Getränken und Stadionwurst.
  • Ein autonomer Staubsauger samt Mülltrennungsmaschine räumt nach der Veranstaltung auf.
  • Der Einsatz von Drohnentechnologie zur Identifizierung und Klärung von Risikolagen auch um das Stadion herum.
  • Ein sensorgestütztes Sitzplatzkonzept, wodurch unnötige Wartezeiten verhindert werden.
  • Die „digitale Couch“ im Stadion – die Zuschauer können während eines Fußballspiels über eine App und dank stabiler 5G-Verbindung Live-Statistiken abrufen und sich die Wiederholung kritischer Szenen auf dem Handy direkt dazu anschauen.
  • Auch E-Autos können in die Energiekonzepte einer Arena eingebunden werden. Während der Veranstaltung hängen sie an der Ladestation. Die Fahrer erhalten später eine per App gesteuerte Abfahrtzeit, um Stau zu vermeiden.
  • Als Ergänzung zur städtischen Energieversorgung bieten sich ein solargestütztes Stadion-Kraftwerk oder ein Umspannwerk auf Batteriebasis an.

So gelingt die Aufbruchstimmung

Das sind viele Ideen und viele kreative Freiräume, die für die Weiterentwicklung Deutschlands große Chancen bieten. Die Herausforderung wird sein, die neuen Konzepte nicht nur zu denken, sondern auch deren Umsetzung und Realisierung in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht zu begleiten. Egal, ob Deutschland 2024 Europameister wird oder nicht: Kreative Ökosysteme entscheiden immer mehr über neue Produkte, neue Chancen und auch über die Aufbruchstimmung für unser Land.

Hartfrid Wolff
  • Manager Öffentlicher Sektor Corporates
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