Familienunternehmen: Hohe Liquidität, niedrige Innovationskraft?

Das Management von Familienunternehmen sollte innovativer werden - und weiblicher.

Keyfacts

  • Von Frauen geführte Unternehmen erzielen höhere Renditen, ergab eine Studie.
  • Familienunternehmen sollten ihr Management diverser aufstellen.
  • Familienunternehmen verfügen oft über hohe liquide Mittel – womöglich nicht nur ein Zeichen für Sicherheit.
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Andreas Bähr
  • Director, Audit
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Familiengeführte Unternehmen gelten als besonders auf Sicherheit, Nachhaltigkeit und Langfristigkeit bedacht. Man sagt, sie hätten weniger den kurzfristigen Erfolg oder die unbedingte Gewinnmaximierung im Blick, sondern vielmehr ein dauerhaft stabiles, erfolgreiches Wirtschaften, das auch an nachfolgende Generationen denkt.

Worin macht sich das fest? Etwa daran, dass Familienunternehmen das ihnen zur Verfügung stehende Kapital effizienter einsetzen als Nichtfamilienunternehmen. Dass sie oftmals die für den Betrieb essentiellen Bestandteile wie Fuhrpark und Anlagen komplett durch Eigenkapital finanzieren. Viele Familienunternehmen sind zwar deutlich kleiner als Nichtfamilienunternehmen, können aber in der Relation den gleichen oder gar einen höheren Jahresüberschuss erzielen.

Dies alles sind Ergebnisse einer Studie, die wir in der KPMG-Niederlassung Mannheim zusammen mit dem Institut für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim durchgeführt haben. Dafür haben wir in zwei Regionen im Südwesten (Metropolregion Rhein-Neckar, Region Stuttgart) mehr als 2.300 Unternehmen befragt.

Mehr Frauen sind ein Gewinn

Als wir die Studie kürzlich in unserer Niederlassung erstmals vorstellten, war u.a. der folgende Befund ein großes Diskussionsthema: Unternehmen (vor allem familiengeführte), die ausschließlich von Frauen geführt werden, weisen höhere Renditen auf; Geschäftsführerinnen von Familienunternehmen neigen zu einem vorsichtigeren Gebrauch der liquiden Mittel.

Dr. Detlef Keese, der am ifm den Forschungsbereich Familienunternehmen leitet, gab dafür eine Erklärung, die mir einleuchtend erscheint: Frauen in Führungspositionen würden besonders genau beobachtet und müssten sich daher stärker beweisen als Männer.

Mehr Erfolg mit gemischten Führungsteams

Welche Lehren sollten Unternehmen nun aus diesen Ergebnissen ziehen?

Ich bin der Überzeugung, Unternehmen mit gemischten Führungsteams – also mit Frauen und Männern an der Spitze – erzielen größere Geschäftserfolge. Der Grund: Sicherheit und Risikoaversion allein sind keine Erfolgsrezepte. Es gibt auch Unternehmensphasen, in denen man mehr wagen sollte.

Familienunternehmen haben hinsichtlich gemischter Geschäftsführungen allerdings Nachholbedarf. Laut unserer Studie ist in Nichtfamilienunternehmen der Anteil gemischter Führungsmannschaften signifikant höher. Familienunternehmen sollten daher mehr Frauen in ihre Geschäftsführung berufen. Dies wäre für die Organisationen bereichernd.

Brauchen Familienunternehmen neue Ideen?

Vielfach wird die hohe Liquidität von Familienunternehmen als Zeichen für deren besonders auf Sicherheit ausgerichtete Strategie gedeutet. Doch ist diese Lesart womöglich unzureichend?

Gewiss, liquide Mittel in größerem Umfang garantieren die Zahlungssicherheit. Doch sie könnten auch ein Indiz dafür sein, dass Familienunternehmern die Ideen für neue Geschäftsmodelle ausgehen, sie entsprechend weniger investieren und mehr Geld horten.

Dies wäre ein alarmierendes Signal. Gerade Familienunternehmen sind vielfach eher in traditionellen Bereichen unterwegs. Wer aber langfristig erfolgreich bleiben will, muss gerade in diesen disruptiven Zeiten neue Geschäftsmodelle entwickeln. Unternehmen, die sich auf ihren bestehenden, bislang erfolgreichen Geschäftsideen ausruhen, setzen ihre Zukunftsfähigkeit aufs Spiel.

Das ist auch die Krux der deutschen Wirtschaft insgesamt. Sie ist sehr erfolgreich in den „alten Industrien“, z.B. der Automobilbranche und dem Maschinenbau – doch bei der Digitalisierung, etwa bei Plattform-Technologien hängen uns Amerikaner und Chinesen zunehmend ab.

Innovativer werden

Für Unternehmen, insbesondere Familienunternehmen, heißt das: Sie sollten unbedingt ihre Innovationskraft stärken und vor allem kreativer in neuen Geschäftsmodellen werden. Also nicht nur in den Bereichen weiter investieren, in denen man immer erfolgreich war, sondern Neues entdecken. Dafür braucht es neben guten Ideen auch Mut.

Die Alternative wäre auf lange Sicht aber nicht mehr Sicherheit (trotz hoher Liquidität), sondern das Gegenteil: ein wachsendes Risiko, das erfolgreiche Geschäftsmodell durch Disruption zu verlieren. Insofern ist es erfreulich, dass laut dem neuen „European Family Business Barometer“ von KPMG rund zwei Drittel der Familienunternehmen in Deutschland sich die Innovationssteigerung zum obersten Ziel für die kommenden Jahre gesetzt haben.

Andreas Bähr
  • Director, Audit
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Benchmark Familienunternehmen 2019

Unsere Analyse von Unternehmen in den Regionen Rhein-Neckar und Stuttgart zeigt: Familiengeführte Unternehmen sind liquider und profitabler als Nichtfamilienunternehmen. Für die Studie haben wir gemeinsam mit dem Institut für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim 2.364 Unternehmen untersucht.

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