Graphit, Lithium und Co.: Das Öl der globalen Energiewende

Die geopolitischen Folgen der Dekarbonisierung – und was daraus für Unternehmen folgt

Keyfacts

  • Die Weltwirtschaft dekarbonisiert sich zunehmend.
  • Mit der globalen Energiewende schnellt die Nachfrage nach einigen seltenen Ressourcen in die Höhe.
  • Daraus resultiert eine geopolitische Machtverschiebung, die Unternehmen beachten sollten.
Studie herunterladen
Jens C. Laue
  • Partner, Head of Environmental, Social & Governance Services
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Haben Sie schon mal etwas von Vanadium gehört? Oder Indium? Falls nicht, geht es Ihnen wie wohl den Meisten.

Die beiden Metalle sind kaum bekannt. Dabei sind sie notwendige Ressourcen für den Bau von Solarpanels sowie speziellen Elektroauto-Batterien – und stehen stellvertretend für eine globale Entwicklung: Die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft und die stetig wachsende Bedeutung von erneuerbaren Energien haben auch geopolitische Konsequenzen.

Denn die für die weltweite Energiewende zentralen Rohstoffe – dazu zählen neben Indium und Vanadium unter anderem auch Graphit und Lithium – werden nur von wenigen Ländern gefördert. Damit werden die Metalle zum neuen Öl und führen zu einer globalen Machtverschiebung, wie unser Whitepaper „Resourcing the Energy Transition: Making the World Go Round” beschreibt.

Das sollten Unternehmen beachten:

Geopolitische Dimension

Ob Windräder, Batterien oder Hybridanlagen: Zum Bau von nachhaltigen Energie-Technologien werden in der Regel bestimmte Rohstoffe benötigt, die derzeit nur wenige Länder fördern bzw. abbauen.

So ist die Volksrepublik China Hauptanbieter von Graphit und Indium, die unter anderem zur Produktion von Elektroauto-Batterien und Solarpanels wichtig sind. Cobalt, das beispielsweise für Batterien benötigt wird, wird vor allem in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut.

Im Zusammenhang mit der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft wird dies brisant. Immer mehr Staaten setzen auf erneuerbare Energien. In der Folge wird die Nachfrage nach Materialien wie den genannten in den kommenden Jahren enorm steigen. Der Bedarf nach Indium etwa könnte bis zum Jahr 2050 auf 34.000 Tonnen anwachsen, während die bekannten Reserven derzeit nur 15.000 Tonnen betragen.

Die Konsequenz: Die geopolitischen Machtverhältnisse könnten sich von den Öl-Staaten hin zu den Ländern verschieben, die die Energiewende-Ressourcen kontrollieren. Gleichzeitig hat der strategische Wettbewerb um diese Rohstoffe das Potenzial, Lieferketten erheblich zu beeinträchtigen.

Strategien gegen geopolitische Abhängigkeit

Um geopolitische Abhängigkeiten zu vermindern, sollten Unternehmen darauf setzen, die seltenen Ressourcen nach einem Kreislaufwirtschaft-Prinzip möglichst lange und oft zu verwenden. Das gilt in drei Hinsichten:

  1. Nachfrage: Hersteller von Energiewende-Technologien sollten nach Wegen suchen, um mit einer geringeren Menge an seltenen Rohstoffen produzieren zu können.
  1. Zirkuläres Design: Unternehmen aus dem Automobil- oder dem Energiesektor sollten versuchen, zirkuläre Designprinzipien in die Produktion von Elektrofahrzeugen oder Energieanlagen wie Windturbinen und PV-Panels einzubeziehen. So nähern sich etwa die ersten Solarpanels dem Ende ihrer Lebensdauer (ca. 25 Jahre). Mit Investitionen in die notwendige Infrastruktur könnten sie theoretisch zu einer Quelle vieler wertvoller Materialien werden – einschließlich Silikon, Silber, Glas und Aluminium.
  1. Rückgewinnung: Insbesondere Fertigungsunternehmen sollten darüber nachdenken, Lieferanten entlang der Wertschöpfungskette Anreize zur Wiederverwendung von seltenen Ressourcen zu geben. So ließen sich etwa Leasing- und Wiederaufbereitungsverträge entwerfen, die einen finanziellen Vorteil für den Erhalt von bestimmten Materialien bieten – und etwa die Sammlung und das Recycling von Edelmetallen aus ausrangierten Batterien und Elektronikgeräten fördern.

Unternehmen, die in diesem Sinne auf Kreislaufwirtschaft setzen, können nicht nur Kosten sparen und Engpässe in der Versorgung vermeiden. Sie machen sich insbesondere für die Kapitalmärkte und andere Stakeholder attraktiv.

Jens C. Laue
  • Partner, Head of Environmental, Social & Governance Services
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Resourcing the Energy Transition

Die Weltwirtschaft dekarbonisiert sich zunehmend und setzt auf erneuerbare Energie. In der Folge steigt die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen stark. Welche geopolitischen Konsequenzen damit einhergehen, beschreibt das Whitepaper.

Jetzt herunterladen