Innovation: Vom Workshop in die Wirklichkeit

Wie aus guten Einfällen erfolgreiche Produkte werden

Keyfacts

  • Der Weg von der Idee zur Innovation gelingt oft nicht.
  • Neuerungen setzen ein tiefgehendes Verständnis der eigenen Organisation voraus.
  • Damit Einfälle zu erfolgreichen Produkten werden, müssen Unternehmen an sich arbeiten – etwa an ihren Prozessen und ihrer Kultur.
Markus Fabel
  • Partner, Advisory
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Kennen Sie das? Der Ideen-Workshop war eine Naturgewalt. Es regnete Einfälle, stürmte Gedanken. Und zwei Wochen später: Nichts wächst, fast alle Ideen liegen brach.

Sollten Sie sich angesprochen fühlen, seien Sie beruhigt: So geht es vielen. Denn Innovation ist mehr als ein Design-Thinking-Workshop. Erfolgreiche Neuerungen setzen ein tiefgehendes Verständnis voraus – von Wirkungszusammenhängen, Mechanismen und der eigenen Unternehmenskultur.

Damit Einfälle zu Produkten werden, müssen Firmen innovationsfähig sein. Lassen Sie mich das mit einem Beispiel beschreiben: Ein Unternehmen hat die Idee, ein Vertragsmanagement-Tool für Vertriebler zu entwickeln – also ein Programm, mit dem etwa Vertriebsleiter schnell qualitätsgesicherte Verträge aufsetzen können

Was muss gegeben sein, damit daraus ein gleichermaßen neues und erfolgreiches Programm wird? Einiges, denn Innovationsfähigkeit hat sechs Dimensionen:

Dimension 1: Kultur, die Innovationen fördert

Zunächst einmal muss das Klima im Unternehmen stimmen – sonst bleiben Produkte wie das Vertragsmanagement-Tool im Reich der Träume. Eine innovationsfördernde Kultur bedeutet: Die Zusammenarbeit und der Gedankenaustausch zwischen den Abteilungen werden gefördert, um neue Ansätze zu entwickeln.

Mitarbeiter wandeln Informationen aus internen und externen Quellen in wertvolles Wissen für das Unternehmen um – und erproben so neue Lösungen für akute Probleme. Fehler sehen dabei alle Beteiligten als natürlichen Bestandteil des Entwicklungsprozesses. So nehmen Einfälle Form an.

Dimension 2: Produkte vom Kunden her denken

Ein Kunde kauft keine Bohrmaschine, sondern das Loch in der Wand. Diesen Grundsatz sollten Unternehmen beachten – und von Anfang an vom zukünftigen Nutzer aus denken: Wer sind die Kunden? Was wollen sie? Zudem kann es helfen, sich mit der Persona-Methodik vor Augen zu halten: Wer ist der Käufer meines Produkts und was verspricht er sich davon? Was sind seine täglichen Aufgaben, Ziele und Herausforderungen?

In unserem Beispiel könnte die Antwort lauten: Die Vertriebler wollen kein spezielles Programm, sondern einfach nur schnell einen qualitätsgesicherten Vertrag, den sie nicht aufwändig mit der Rechtsabteilung abstimmen müssen.

Solche Nutzenerwartungen sollten klar definiert sein.

Dimension 3: Flexible Prozesse

Egal, wie gut die Idee durchdacht ist – sie lässt sich am Markt vorbei entwickeln. Dann nämlich, wenn erst das fertige Produkt mit dem Kunden in Berührung kommt. Stattdessen sollte man den potenziellen Nutzern während der Entwicklung einbinden und Prototypen präsentieren.

Im Fall des fiktiven Vertragsmanagement-Tools könnte das bedeuten: Vertrieblern einen Klick-Dummy mit einigen Beispiel-Verträgen zu zeigen. Und sie dann fragen, ob das Tool in die richtige Richtung geht und was sich verbessern ließe.

Um Produkte und Dienstleistungen an die Kundenanforderungen anpassen zu können, müssen Innovations-Prozesse hinterfragt, verbessert oder neu entworfen werden. Dabei helfen zum Beispiel Design-Thinking-Ansätze.

Dimension 4: Organisation

Wer die Genehmigung von 20 Leute braucht, um etwas auszuprobieren, der begräbt seine Ideen schnell. Deswegen sind flache Hierarchien und klare Entscheidungsstrukturen äußerst wichtig für Innovation. Die Organisation sollte durchlässig sein – nach innen und außen.

Für unser Beispiel-Produkt heißt das: Um den Klick-Dummy für das Vertragsmanagement-Tool zu entwerfen, kann die zuständige Abteilung schnell eine spezialisierte Agentur beauftragen. Oder sie kann mit angemessenem Aufwand eine Partnerschaft eingehen – etwa mit einer auf Vertriebsverträge spezialisierten Kanzlei.

Ist ein Unternehmen so organisiert, fallen unnötige Abstimmungen ohne direkten Mehrwert für das Produkt oder die Dienstleistung weg.

Dimension 5: Kreative Ressourcen

Kreativität braucht Freiraum. Denn wenn der Produktentwickler-Tag bis zur letzten Minute durch getaktet ist, bleibt keine Zeit fürs Querdenken und Erfinden.

Es geht nicht darum, ziellose Träumereien zu begünstigen. Aber wenn nicht immer alle Mitarbeiter restlos mit Projekten ausgelastet sind, ist Raum da für die Weiterentwicklung guter Einfälle – etwa für eine besonders eingängige Bedienung des Vertragsmanagement-Tools.

Dimension 6: Authentisches Marketing

Neuer Wein sollte nicht in alten Schläuche verkauft werden. Deshalb sollten Unternehmen neue Marketingmethoden und Vertriebskanäle nutzen, um Innovationen an die Kunden zu bringen.

Die Vermarktung muss herausstellen, welchen Nutzen das Produkt für die verschiedenen Kundengruppen hat. Gut ist es zudem, mögliche Partner in die Kommunikationsmaßnahmen einzubeziehen.

Für unser Beispiel des Vertragsmanagement-Tools könnte das bedeuten: Die auf Vertriebsverträge spezialisierte Kanzlei nimmt eine prominente Stellung in der Produkt-PR und -Werbung ein – und vertreibt das Produkt auch über die eigenen Kanäle. Das schafft Reichweite, das nötige Engagement der Partner und gegenseitiges Vertrauen.

Workshop-Ergebnisse nachhalten

Wenn Ihr Unternehmen in den Dimensionen der Innovationsfähigkeit gut abschneidet, dann müssen Sie die Ergebnisse der Ideen-Workshops nur noch hartnäckig nachhalten – und die Innovationen können gedeihen.

Markus Fabel
  • Partner, Advisory
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