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IT-Projekte dringend neu priorisieren

Sanktionen und Krieg gefährden die Sicherheit der IT.

Keyfacts

  • Die Ukraine hat 2021 IT-Dienstleistungen im Wert von 6,8 Milliarden US-Dollar exportiert. Die EU ist dabei ein wichtiger Markt.
  • Deutsche Unternehmen kaufen viele IT-Leistungen in osteuropäischen Raum ein.
  • Wegen des Krieges und der Sanktionen gilt es, kritische Versorgungslücken in der IT zu prüfen.
Gernot Gutjahr
  • Partner, Advisory
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Die Ukraine hat sich bei vielen Unternehmen und Organisationen in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht für erstklassige IT-Dienstleistungen. IT-Exporte aus diesem Land wurden dadurch zu einem wichtigen wirtschaftlichen Gut. 2021 summierten sie sich auf 6,8 Milliarden US-Dollar. Die EU ist dabei ein sehr wichtiger Markt für das Land. Die ukrainischen IT-Exporte sind damit doppelt so hoch wie die Erlöse aus der Gasdurchführung aus Russland Richtung Westen.

Viele Organisationen und Firmen aus den USA, aber auch viele deutsche Unternehmen haben bei ihrem IT-Sourcing auf die Ukraine gesetzt – sowie auf belarussische und russische Dienstleister und Freelancer. Die lokalen Sourcing-Dienstleistungen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Bereiche Finanzen, Gesundheitswesen, E-Commerce und Telekommunikation.

Unternehmen und Organisationen sollten mit Wegfall elementarer IT-Dienstleistungen rechnen

Mit dem Krieg sind die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit stark eingeschränkt oder fallen ganz weg. Durch die Sanktionen gelten strenge Regeln. Insbesondere für die Partner in der Ukraine steht die Sorge um die Gesundheit an oberster Stelle. Die hiesigen Unternehmen und Organisationen stehen vor der Frage nach der unmittelbaren Hilfe, die sie diesbezüglich leisten können und wie sie das Land unterstützen können.

Gleichzeitig benötigen die Unternehmen aus den USA und der EU die IT-Leistungen. Die IT-Importe aus der Ukraine und Russland sind bereits erheblich zurückgegangen und ich gehe davon aus, dass sie kurzfristig minimal werden und möglicherweise ganz zum Erliegen kommen.

  • Ein Überblick über die Sanktionen und welche gelten, finden Sie hier.
  • Cyber-Sicherheit: Was Unternehmen jetzt tun sollten.

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Ersatzregionen nur bedingt hilfreich

Dies wird zusätzlichen Druck auf andere IT-Outsourcing-Zielländer wie Polen, Rumänien und Ungarn ausüben. Ein Teil der Arbeit könnte Offshore in den Asien-Pazifik-Raum verlagert werden. Aber auch dies wird den ohnehin schon knappe Angebot weiter verengen, und kurzfristig werden die Personalfluktuation, die Tagessätze und die Projektkosten steigen.

Jedes Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zur Ukraine, nach Belarus oder Russland muss vor dem Hintergrund der Sanktionen seine Position überprüfen und mit Business-Continuity- und Notfallmaßnahmen reagieren, um so die Sicherheit der IT weiter zu gewährleisten.

Kritische IT-Funktionen prüfen

Vor allem gilt es, das Risiko zu vermindern, dass kritische Geschäftssysteme, -dienste oder -prozesse nicht mehr verfügbar sind oder beeinträchtigt werden. Unmittelbare Aufgaben für Kunden ukrainischer Dienstleister sind die Priorisierung von Funktionen, Geschäftsprozessen und -fähigkeiten sowie die Evaluierung kurzfristiger Lieferalternativen.

Auf längere Sicht sollten die Business-Continuity-Pläne kontinuierlich auf den Prüfstand gestellt werden. Zu berücksichtigen sind dabei vor allem geopolitische, finanzielle, betriebliche und regulatorische Cybersicherheits- und ESG-Faktoren.

Meine Empfehlung ist: Kalibrieren Sie Ihre IT-Nachfrage neu und priorisieren Sie Ihre Projekte für mindestens die nächsten 18 Monate neu.

 

Gernot Gutjahr
  • Partner, Advisory
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