Kostenfaktor Homeoffice

Warum sich eine Homeoffice-Pauschale sowohl für Arbeitgeber als auch das Finanzamt lohnt

Keyfacts

  • Kosten für Arbeitnehmer steigen in der Homeoffice-Phase.
  • Aktuelle Regelungen zum Homeoffice sind nicht mehr zeitgemäß.
  • Eine Pauschale könnte sowohl Arbeitnehmende als auch Finanzämter entlasten.
Kay Klöpping
  • Partner, Tax
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Der Küchentisch als Schreibtischersatz, das Wohnzimmer als Konferenzraum, der Vintage-Stuhl von Oma als Sitzgelegenheit zum Arbeiten: Mit der Corona-Pandemie ist die Büroatmosphäre in die eigenen vier Wände eingezogen.

Kosten für Arbeitnehmende steigen in der Homeoffice-Phase

Das kann zwar praktisch sein, aber auch teuer: Strom- und Energiekosten steigen, private Gegenstände werden stärker abgenutzt. Da freut sich der eine oder andere Arbeitnehmende vielleicht schon auf die kommende Steuererklärung und denkt sich: „Ach, das setze ich einfach ab.“

Denn theoretisch ist für Arbeitnehmende einiges abzugsfähig, beispielweise Schuldzinsen für Kredite, Wasser- und Energiekosten, Internetkosten, Reinigungskosten, Grundsteuer, Müllgebühren und Gebäudeversicherungen jeweils anteilig für Größe des Arbeitszimmers. Zudem Renovierungskosten für das Arbeitszimmer, Kosten für Lampen, Fußboden, Regale und Schreibtische.

Doch in der Praxis ist es leider (noch) nicht so einfach.

Aktuell kann nur ein separates Arbeitszimmer steuerlich abgesetzt werden

Gemäß dem BFH-Urteil vom 17. Februar 2016 reicht eine einfache Arbeitsecke nicht als häusliches Arbeitszimmer aus. Dieses muss vielmehr ein räumlich getrennter Bereich sein, der zu mindestens 90 Prozent für die beruflichen Zwecke genutzt wird.

Viele Haushalte werden diese Voraussetzung nicht erfüllen können, da der heimische Arbeitsplatz in den meisten Fällen wohl eher notgedrungen eingerichtet worden ist und kein separater Raum zur Verfügung steht.

Weitere Voraussetzung ist, dass kein anderer vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellter Arbeitsplatz existiert. Dies könnte der Fall sein, wenn beispielsweise während des ersten Lockdowns von März bis Mai 2020 die Räumlichkeiten des Arbeitsgebers nicht zugänglich waren oder der Arbeitgeber Homeoffice angeordnet hat.

Urteil zum Homeoffice ist nicht mehr zeitgemäß

Diese Regelung scheint mir in der aktuellen Situation nicht mehr angemessen, denn das Homeoffice wird auch in den kommenden Monaten weiterhin ein wichtiger Bestandteil sein, um die Verbreitung des Corona-Virus zu minimieren. Meiner Meinung nach ist es wichtig, das zunächst unbürokratisch eingeführte Homeoffice zu professionalisieren, auch im Hinblick auf die Steuererklärung.

Etliche Überarbeitungsvorschläge seitens der Politik, Gewerkschaften und Steuerexperten

Vorschläge in diese Richtung gibt es mittlerweile etliche: Zum Beispiel von den hessischen und bayerischen Finanzministern. Sie fordern, dass die Arbeit im Homeoffice von der Steuer absetzbar sein soll. Sie schlagen vor, dass für jeden Tag, den man von Zuhause arbeitet, ein Pauschalbetrag von fünf Euro als Werbungskosten abgezogen werden kann. Allerdings soll dies nur bis zu einem Betrag von 600 Euro (also 120 Arbeitstage) im Jahr möglich sein.

Diese sollen unbürokratisch bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden. Eine wichtige Änderung zur aktuellen Regelung liegt darin, dass an den heimischen Arbeitsplatz keine besonderen Voraussetzungen geknüpft sind. Es ist also egal, ob jemand in einem abgetrennten Raum arbeitet oder in einer Arbeitsecke.

In eine ähnliche Richtung geht eine Forderung des Bundes der Steuerzahler. Der BdSt-Präsident spricht sich für eine Werbungskostenpauschale von monatlich 100 Euro aus, wenn der Arbeitnehmende überwiegend im Homeoffice tätig war. Genügen sollte dazu eine Bestätigung des Arbeitgebers. Die Pauschale soll nicht nur bei häuslichen Arbeitszimmern, sondern auch bei provisorisch eingerichteten Arbeitsecken gelten.

Unbürokratische Lösung sollte angestrebt werden

Meiner Meinung nach ist eine Pauschalregelung für das Corona-Homeoffice ein wichtiger Schritt, um den entstehenden Aufwand steuerlich ohne großen Verwaltungsaufwand zu berücksichtigen. Hierdurch werden Kosten, die jedem Arbeitnehmenden im Homeoffice entstehen, zu einem gewissen Teil ausgeglichen.

Überarbeitung der geltenden Regelungen lohnt sich sowohl für Arbeitnehmende als auch für das Finanzamt

Ein weiterer Vorteil der Pauschale: Sie würde für einen geringen bürokratischen Aufwand, sowohl bei den Steuerpflichtigen als auch bei den Finanzämtern, sorgen. Denn sobald Einzelkosten berücksichtigt werden müssen, entsteht ein großer Verwaltungsaufwand, da das Thema auch für den Arbeitnehmenden neu ist. Dementsprechend würden viele unbewusste Falschangaben und Detailstreitigkeiten zu Rechtsbehelfen und Streitigkeiten führen. Das sollte vermieden werden.

Welchen Stellenwert die Homeoffice-Pauschale bei den Arbeitnehmenden, der Politik und Wirtschaft hat, sieht man an den täglich neuen Entwicklungen zu dem Thema. Für mich ist klar: Eine neue Arbeitswelt braucht auch ein neues steuerliches Gerüst.

Kay Klöpping
  • Partner, Tax
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