Keyfacts:
- Hohe Kosten und Konkurrenz – Steigende Rohstoffpreise und asiatischer Wettbewerbsdruck belasten die Branche.
- Effizienz als Schlüssel – Optimierung von Produktion, Energie und Automatisierung ist essenziell.
- Strategische Anpassung – Digitalisierung und F&E sichern langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
„Trübe Aussichten für die Chemieindustrie“, das ist nur eine von vielen Schlagzeilen zur Entwicklung der chemischen Industrie in Deutschland. Unternehmen in der deutschen Chemieindustrie haben eine Vielzahl an Aufgaben zu bewältigen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Eine davon ist die Optimierung der Kostenstruktur. Betrachtet man nur allein die Abhängigkeit deutscher Chemieunternehmen von schwächelnden Industrien wie der Automobilindustrie, verdeutlicht dies die Notwendigkeit, sich mit internen Kostenstrukturen und Flexibilisierung auseinanderzusetzen.
In einem globalisierten Markt, der von schwankenden Rohstoffpreisen, immer strengeren Umweltauflagen und dem Druck zur Digitalisierung geprägt ist, gilt es für Unternehmen, innovative Lösungen zu finden, um ihre Effizienz zu steigern und ihre Profitabilität zu sichern.
Ein zentrales Thema der Chemiebranche bleibt dabei die Kostenoptimierung. Gleichwohl befindet sich die Industrie in einem Dilemma, da sie unsichere Rohstoffverfügbarkeit gegen volatile Rohstoffkosten und steigende Investitionskosten gegen steigende Herstellungskosten abwägen muss. Unternehmen, die wissen, welche Maßnahmen umsetzbar sind und wie die Auswirkungen dieser Maßnahmen bewertet werden, können zielgerichtet handeln und den richtigen Wachstumspfad einschlagen.
Die Relevanz von Kostensenkungen in der Chemieindustrie
- Hohe Rohstoffkosten
Rohstoffpreise, insbesondere für fossile Brennstoffe und petrochemische Grundstoffe, waren in den vergangenen Jahren höchst volatil und Lieferverpflichtungen ohne Preisdynamik riskant. 2022 stiegen nach Angaben der International Energy Agency beispielsweise die globalen Ölpreise um 60 Prozent und die Gaspreise um 200 Prozent. Auslöser hierfür waren geopolitische Instabilitäten wie der Russland-Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Störungen in Lieferketten.Die Chemieindustrie war hiervon besonders betroffen, da knapp zwei Drittel der Produktionskosten auf Energiekosten entfallen. Der langfristige Übergang zu nachhaltigen Rohstoffen wie Bioplastik bleibt zwar ein Mittel der Wahl, geht jedoch mit einer Preissteigerung von etwa 20 Prozent gegenüber herkömmlichen petrochemischen Materialien einher, so die International Energy Agency. - Nachhaltigkeit und Umweltauflagen
Mit der Roadmap Chemie 2050 setzt der Verband der chemischen Industrie e.V. (VCI) das Ziel der Treibhausgasneutralität der Bundesregierung bis 2050 um. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste die deutsche Chemiebranche bis 2050 akkumuliert rund 70 Milliarden Euro zusätzlich in Produktionsanlagen investieren. 2023 lagen die Kosten pro Tonne CO₂ bei rund 30 Euro, Tendenz steigend, wobei der deutsche Chemiesektor im gleichen Jahr rund 40 Millionen Tonnen CO₂ ausstieß. 2021 nutzte die chemisch-pharmazeutische Branche rund 14 Prozent der gesamten Primärenergie Deutschlands, was den Handlungsdruck unterstreicht. Weitere Anpassungen am CO2-Besteuerungsmodell erhöhen den Handlungsdruck zusätzlich. - Wettbewerbsdruck und Marktkonsolidierung
Der Wettbewerbsdruck auf europäische Unternehmen wächst. Bereits 2023 wurden rund 40 Prozent der weltweiten Chemie- und Pharmaumsätze von chinesischen Unternehmen erwirtschaftet. Hinzu kommt, dass die Produktionskosten in Asien um bis zu 20 Prozent niedriger sind als in Europa, was den Wettbewerbsdruck weiter verstärkt. Die Anzahl an Fusionen und Übernahmen in der Branche nahmen zwischen 2015 und 2020 um 25 Prozent zu berichtet der VCI in seinem Länderbericht China. - Digitalisierung und Automatisierung
Die fortschreitende Digitalisierung bietet vielzählige Anreize, um Prozesse effizienter zu gestalten, führt aber gleichzeitig zu hohen Investitionskosten in neue Technologien und Schulungskonzepte. Die Implementierung von Industrie 4.0-Technologien und künstlicher Intelligenz ist unerlässlich, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben – jedoch sollten Chemieunternehmen hier die Balance zwischen Innovation und Kosten suchen.
Standortsicherung in Deutschland: Wichtige Maßnahmen und Hebel zur Kostensenkung
Damit der Produktionsstandort Deutschland in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt, sollten Kostensenkungsmaßnahmen gezielt und nachhaltig ausgerichtet werden. Dabei gilt es, verschiedene Hebel zu nutzen, um Kosten effektiv auf die sogenannten Kernkosten zu reduzieren. Das Ziel: Chancen erkennen und finanziell bewerten, um eine nachhaltige Profitabilität präzise bestätigen, finanzieren und umsetzen zu können.
- Produktionsprozesse optimieren
Eine vielversprechende und effektive Möglichkeit zur Kostensenkung ist das Optimieren von Produktionsprozessen. Dabei können Lean-Management-Prinzipien unter Berücksichtigung neuster Technologien zum Einsatz kommen. Diese Maßnahmen fokussieren sich auf Einsparpotenziale wie Überproduktion, unnötige Transportwege oder Lagerbestände. Das Ziel ist es, den Produktionsfluss zu beschleunigen, den Ressourceneinsatz zu minimieren und die Produktionskapazitäten besser auszuschöpfen. Eine kontinuierliche Prozessoptimierung mithilfe etablierter Methoden wie Six Sigma oder Total Quality Management (TQM) tragen entscheidend dazu bei, Fehler zu minimieren und die Qualität zu steigern. Ein optimierter Planungsprozess als Basis dieser Maßnahmen kann die Effekte der Prozesseffizienz weiter verstärken. - Energieeffizienz steigern
Die Chemieindustrie gehört zu den energieintensivsten Industrien. Eine systematische Steuerung des Verbrauchs führt daher in der Regel zu einer deutlichen Reduzierung der Betriebskosten. Investitionen in moderne Heiz-, Kühl- und Beleuchtungssysteme, energieeffiziente Maschinen und erneuerbare Energien stellen hier wichtige Hebel dar, die iterativ überprüft werden sollten. So kann gewährleistet werden, dass man mit der technologischen Entwicklung schritthält. Die Abwärme aus chemischen Prozessen kann ebenfalls nutzbringend sein, und die Umstellung auf grüne Stromquellen aus eigener Produktion kann zur Senkung der Energiekosten beitragen. Insgesamt bedarf es eines durchdachten Prozesses sowie Energie-Layouts, um die Betriebskosten durch Einsparungen bei den Energiekosten zu senken. - Automatisierung
Die Integration von digitalen Technologien und Automatisierungen ist ein wichtiger Schritt zur Kostensenkung. Durch den Einsatz von Robotern, automatisierten Produktionslinien und digitalen Steuerungssystemen lassen sich der Personalaufwand reduzieren und gleichzeitig Effizienzen in der Produktion steigern. Hier kommen insbesondere datenbasierte Analysetools zum Einsatz, um vorausschauende Wartungen und Prozessüberwachung sicherzustellen, Stillstandzeiten zu minimieren und den Produktionsprozess zu verschlanken. Für die Integration dieser Systeme ist ein standardisiertes und strukturiertes Vorgehen erforderlich. - Supply Chain Management optimieren
Unternehmen sollten versuchen, eine gute Balance zwischen dem Aufbau resilienter Lieferketten und kurzfristigen Lieferungen zu finden, um Kosten in der Supply Chain zu senken. Dabei ist ein entscheidender Faktor, die Gefahr von Lieferengpässen gering zu halten. In diesem Zusammenhang gilt es, vor allem die Supply-Chain-Netzwerke sowie die zugrundeliegenden Planungsprozesse zu analysieren und zu adaptieren. Dies wird unterstützt durch den Einsatz von digitalen Tools zur Supply-Chain-Analyse, um die gesamte Wertschöpfungskette transparenter zu gestalten. - Forschung und Entwicklung (F&E) für Kostensenkung nutzen
Der Bereich Forschung und Entwicklung wird in den meisten Unternehmen als ein Bereich verstanden, der als Investition in die Zukunft gilt. Doch die F&E-Einheiten können durch Methoden für neue, effizientere Verfahren, alternative Rohstoffe oder verbesserte Produktqualität auch langfristig die Produktionskosten senken. Zudem bieten sich gerade jetzt für Unternehmen Möglichkeiten, durch Innovationen in der Produktentwicklung neue Märkte zu erschließen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, wie beispielsweise durch die Kreislaufwirtschaft. - Kostenbewusstsein und Unternehmenskultur
Einer der grundlegendsten Bausteine einer Kostenoptimierung ist eine Unternehmenskultur, die auf Kostensensibilität und kontinuierliche Verbesserung ausgerichtet ist. Mitarbeitende auf allen Ebenen sollten in den Prozess der Kostensenkung eingebunden werden, etwa durch Schulungen, Ideenmanagement oder Anreizsysteme. Ein Unternehmen, das aktiv auf Kostensenkung setzt, schafft ein Umfeld, in dem jeder Mitarbeitende zum Optimieren der Kostenstruktur beiträgt.
Fazit
Für deutsche Chemieunternehmen ist Kostensenkung derzeit ein Thema, das weit über das reine Sparen hinausgeht. Es geht um Standortsicherung, denn die Alternativen sind unmissverständlich.
In einem wettbewerbsintensiven Umfeld mit steigenden Rohstoffpreisen, verschärften Umweltauflagen und der Notwendigkeit zur Digitalisierung gilt es daher, profitabel zu bleiben durch systematisches Erfassen und Quantifizieren von Handlungsfeldern. Dies bildet die Basis für gezielte Maßnahmen wie das Optimieren von Produktionsprozessen und der Energieeffizienz, das Einführen von Automatisierung und Digitalisierung sowie strategische Partnerschaften. Unsere Empfehlung: Fokussieren Sie sich auf die Kostenstruktur ihres Unternehmens und stellen Sie sich den folgenden Fragen:
- Können Produktionsprozesse optimiert werden, ohne die Lieferfähigkeit zu beeinträchtigen?
- Lohnen sich Investitionen in neue Technologien bei steigenden Energiekosten und der Abhängigkeit von schwächelnden Wirtschaftszweigen?
- Sind Ihre Digitalisierungsmaßnahmen auf ein sich dynamisch veränderndes Umfeld abgestimmt?
- Können Sie Kosten in der Supply Chain einsparen, ohne die Verfügbarkeit zu gefährden?
- Wo, wann und wie können Sie sinnvoll in F&E-Aktivitäten investieren?
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