Keyfacts:
- Die Kreislaufwirtschaft entwickelt sich vom Nachhaltigkeitstrend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor in der Fertigungsindustrie.
- Resilienz wird zum Muss – Anbieter für Robotiklösungen stehen unter Handlungsdruck durch zunehmende Regulierung und starre Abhängigkeiten in ihren Lieferketten.
- Unternehmen, die Wiederverwendung und Ressourceneffizienz strategisch im Geschäftsmodell verankern, sind resilienter, sichern sich Kostenvorteile und erschließen sich neue Wachstumspotenziale.
Vom Kostenfaktor zum Werttreiber: Kreislaufwirtschaft als strategischer Hebel
Die industrielle Fertigung steht unter massivem Druck: Volatile Rohstoffpreise, regulatorische Vorgaben und hohe Lieferkettenabhängigkeiten fordern Unternehmen heraus, neue Wege zu gehen., Ein führender Hersteller von Robotiklösungen prüft die Wiederverwendung von Komponenten als strategischen Hebel, um Margen zu stabilisieren, Risiken zu minimieren und nachhaltiges Wachstum zu sichern.
Ausgangslage: Externe Zwänge und interne Realitäten
Im aktuellen Marktumfeld werden industrielle Unternehmen mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert: schwankende Nachfrage, steigende Kosten bei stärkerem Wettbewerbsdruck und zunehmende regulatorische Anforderungen erhöhen den Handlungsbedarf. Neue Vorgaben wie die EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (Ecodesign for Sustainable Products Regulation, ESPR) und das CO₂-Grenzausgleichsystem (CBAM) verschärfen die Transparenz-Anforderungen und operativ die Anforderungen an Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit. Gleichzeitig führen geopolitische Unsicherheiten und eine starke Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern zu zusätzlichen Risiken in den Lieferketten. Die größten Risiken liegen häufig nicht bei volumenstarken, günstigen Bauteilen, sondern bei komplexen High-Value-Komponenten (z. B. Präzisionsgetriebe, Elektronik, Sensorik), die teuer sind, oft Single-Source-Abhängigkeiten aufweisen und stark von geopolitisch sensiblen Lieferketten abhängen.
Der Lösungsansatz: Kreislaufwirtschaft als strategisches Programm
Ein interdisziplinäres Team von Expertinnen und Experten aus Performance & Strategy unterstütze das Unternehmen dabei, externe Markttrends, regulatorische Entwicklungen und interne Wertschöpfungsprozesse zu analysieren. Im Fokus stand die Frage: Wie kann das Wiederverwenden von Komponenten helfen, Kosten zu senken und die Versorgungssicherheit zu erhöhen? Durch gezielte Maßnahmen wie Buy-back-Programme, Refurbishment und die Integration von Rückführungsprozessen in das Kerngeschäft wurden verschiedene Szenarien modelliert und deren Wirtschaftlichkeit bewertet.
Die Ergebnisse: Wirtschaftlicher und ökologischer Mehrwert
Die Analysen zeigen: Bereits bei einer Wiederverwendung ausgewählter High-Value-Komponenten von nur einem Prozent der installierten Basis ergibt sich ein signifikanter Beitrag zum Unternehmensergebnis. Wird die Quote auf perspektivisch als realistisch erachtete fünf Prozent gesteigert, vervielfacht sich der finanzielle Effekt entsprechend. Der positive Business Case setzt voraus, dass die derzeit erheblichen Rücklauf- und Aufbereitungskosten gesenkt und die gezielte Wiederverwendung hochwertiger Komponenten, insbesondere von Antrieben und Getrieben, zusätzliche Einsparungen generieren lassen. Unter Einsatz von Szenarien Modellierung konnte unser Expert:innen Team quantitativ robust aufzeigen, wie die Integration von Kreislaufwirtschaft in die Unternehmensstrategie sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Vorteile schafft.
Erfolgsfaktoren: Integration, Fokus und Daten
- Kreislaufwirtschaftliche Konzepte wie Re-Use (hier: Komponenten-Wiederverwendung) sollten als strategische Stoßrichtung berücksichtigt und in alle Kernfunktionen eingebettet werden – von Forschung & Entwicklung bis zum After-Sales Management.
- Wirtschaftlich sinnvoll ist zumeist die Konzentration auf hochwertige Komponenten mit hohen Lieferkettenabhängigkeiten.
Ein datengetriebener Ansatz ermöglicht das präzise Bewerten von Kosten, Nutzen und Skalierungspotenzial unter Berücksichtigung möglicher Szenarien im aktuell volatilen wirtschaftlichen und (geo)politischen Marktumfeld. Der Fall zeigt, wie Kreislaufwirtschaft vom „Nice-to-have“ zum zentralen Werttreiber werden kann. Wer Wiederverwendung strategisch angeht, kann nicht nur Kosten und Risiken senken, sondern auch neue Wachstumsfelder erschließen und regulatorische Anforderungen souverän erfüllen.