Super-Apps: Das sollten Sie in der Finanzbranche darüber wissen

Eine App für alle Lebenslagen – in Asien bestimmen Super-Apps zunehmend den Alltag.

Keyfacts

  • Über kurz oder lang wird der Trend zur Nutzung einer zentralen App auch Europa erfassen.
  • Auch Finanzprodukte werden zunehmend über solche Apps abgewickelt.
  • Die hiesige Finanzwirtschaft sollte die Entwicklung der Super-Apps genau im Blick behalten.
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Sina Steidl-Küster
  • Partner, Financial Services
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Super-Apps – in Europa bislang kaum verbreitet, sind sie für viele Menschen in Fernost ein zentrales Alltagsinstrument. Egal was man online tut, man tut es zumeist via einer zentralen App. Während Europäer für unterschiedliche Nutzungen bislang auf unterschiedliche Apps bauen, präferieren zum Beispiel Chinesen Komplettlösungen, um ihren Alltag zu organisieren. Online-Messaging, soziale Medien, Onlinehandel oder Finanzprodukte – alles aus einer Hand.

Eine Entwicklung, die Europas Unternehmen nicht kalt lassen kann, denn Asien entwickelt sich immer mehr zum globalen Trendsetter. Und warum sollten Deutsche oder Franzosen es nicht auch bequemer finden, über eine einzige App Dinge zu kaufen, zu bezahlen und falls das Geld nicht reicht, einen passenden Kredit zu beantragen, als sich durch eine Vielzahl an Anwendungen zu mühen?

Neuer Disruptor für die Finanzbranche

Gerade die hiesige Finanzwirtschaft sollte einen genauen Blick auf die aktuelle Entwicklung der Super-Apps richten. Denn auch wenn die Deutschen in Geldangelegenheiten bislang recht konservativ agieren, ist Vorsicht geboten. Auch der Handel tat das Online-Geschäft zunächst als Nischenphänomen ab, von dem er jetzt regelrecht überrollt wird.

Natürlich kann nicht jeder Online-Händler oder irgendein Digitalunternehmen von heute auf morgen Bankdienstleistungen anbieten. Denn der Markt ist – aus gutem Grund – umfassend reguliert. Aber die Chancen für Branchenfremde einen Zugang zu erhalten steigen. Die PSD2-Richtlinie ist hierfür ein Vorbote.

Aktuell treten Online-Plattformen zumeist nur als Mittler für Finanzprodukte auf. Auch in Asien. Allerdings zeichnet sich ein für Banken und Versicherungen kritischer Trend ab – sie werden unsichtbar. Oftmals müssen sie ihre Dienstleistungen unter fremden Namen anbieten. Oder ihr Name taucht erst in zweiter Linie auf. Daraus ergibt sich für Finanzinstitute eine enorme Gefahr: Sie verlieren den direkten Kundenkontakt und werden zu Erfüllungsgehilfen degradiert. Nur noch geduldet, um durch den Gesetzgeber regulierte Dienste zu erfüllen. Aber – auch dies ist nicht in Stein gemeißelt.

Banken sollten jetzt handeln

Also, was können Finanzinstitute tun, um nicht von dieser Entwicklung überrollt zu werden? Zuallererst prüfen, was Super-Apps in Asien so erfolgreich macht. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass es den dortigen Anbietern gelingt, viele Dienstleistungen aus einer Hand anzubieten – das ist praktisch für den Kunden. Deutsche Finanzinstitute brauchen deshalb aber nicht in den Online-Handel einzusteigen. Sie sollten auf Kooperationen setzen. So können sie Teil eines Ökosystems werden, beziehungsweise dieses als gleichberechtigte Partner mitaufbauen.

Ein Gutteil des Erfolgs aktueller Super-Apps basiert zudem darauf, dass sie in der Lage sind Daten aus verschiedenen Dienstleistungs- und Geschäftsbereichen zusammenzuführen. So können sie ganzheitlichere Kundenbilder gewinnen. Banken sollten daher prüfen, wie sie APIs und offene Datenarchitekturen nutzen können, um ähnlich umfassende Datenpools zu schaffen.

Auch sollten Banken massiv in die Verbesserung sowohl ihres Datenmanagements als auch ihrer Analysekapazitäten investieren, wenn sie auf Augenhöhe mit den Super-Apps konkurrieren wollen. Denn über Kundendaten zu verfügen ist das eine. Zu wissen was sie bedeuten das andere.

Geschäftsmodell passend ausrichten

Entscheidend ist jedoch, ob Banken in Zukunft überhaupt noch allein bestehen können – oder ob sie ihr Geschäft, zumindest in Teilen, in einer Super-App erwirtschaften müssen. Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, ob sie dort unter eigener Marke auftreten, ihre Dienstleistungen im Namen der App erbringen oder nur regulierte Aufgaben abwickeln. Darauf basierend sollten Banken die eigenen Investitionen ausrichten, um sich in die gewählte Richtung zu entwickeln.

Allerdings – wer in einer Super-App als gleichberechtigter Partner auftreten möchte, sollte sich mit dem Thema schnellstmöglich auseinandersetzen. Denn je länger man wartet, umso schwächer wird die potenzielle eigene Einflussnahme auf die Entwicklung und das Geschäftsgebaren der Super-App.

Auch wenn die Super-App aktuell noch ein asiatisches Phänomen ist – über kurz oder lang wird der Trend auch Europa erfassen. Wenn man sich die Geschwindigkeit der Digitalisierung betrachtet, wird es eher schnell gehen.

Weitere interessante Informationen zu diesem Thema finden Sie auch in unserem Whitepaper Super-Apps: Gekommen, um zu bleiben

 

Sina Steidl-Küster
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