Wo sollte ein Unternehmen beginnen, wenn es seine Infrastruktur widerstandsfähiger machen will?
Es beginnt immer mit klaren Verantwortlichkeiten. Infrastrukturthemen sind oft über viele Bereiche verteilt – Produktion, IT, Beschaffung, Facility Management. Das funktioniert meiner Meinung so nicht. Ich rate dazu, zu analysieren, wie verwundbar man ist, wie stark die Prozesse von den unterschiedlichen Infrastrukturen abhängen. Auch Stresstests sind eine gute Möglichkeit, denn diese machen offensichtlich, was passiert, wenn bestimmte Daten nicht verfügbar sind und welche Folgen es hat, wenn zentrale Produktionslinien ausfallen. Solche Simulationen sind sehr aufschlussreich. Nach Analyse der Tests sollte priorisiert werden, was für das Geschäftsmodell so zentral ist, dass es unbedingt stabil sein sollte. Außerdem sollten Unternehmen immer wissen, wie es um Vorräte, Backup-Systeme und Lieferantenstrukturen bestellt ist. Danach können dann konkrete Maßnahmen abgeleitet werden. Von Notfallprozessen bis hin zur Frage, ob und wie man Energie selbst erzeugen kann.
Welche Chancen ergeben sich, wenn Unternehmen eigene Infrastrukturen aufbauen?
Wenn ein Unternehmen seine eigenen Risiken transparent macht und verringert, wird es zu einem verlässlicheren Partner – ein echter Wettbewerbsvorteil. Wer sich eigene Infrastrukturen aufbaut, kann daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln. Auch hier hilft der Blick auf die Praxis. Ein großes amerikanisches Unternehmen hat eine Cloud zunächst für interne Zwecke entwickelt. Inzwischen ist daraus ein Geschäftsmodell geworden und die Firma verkauft Cloudspeicher an ihre Kunden. Ähnliches ist auch im Verkehrsbereich möglich. Unternehmen, die zum Beispiel Ladeparks für eigene E-LKW bauen, können diese auch an externe Kunden verkaufen. Oder sie entwickeln Logistik-Services, die später ebenfalls vermarktet werden können.
Was unterscheidet gute von schlechten Infrastrukturinvestitionen?
Gute Infrastrukturinvestitionen reduzieren Risiken und sind strategisch eingebettet. Sie sind modular, skalierbar und können an zukünftige technologische Entwicklungen angepasst werden. Man sollte nie zu stark auf eine einzelne Technologie setzen. Flexibilität ist entscheidend. Und es braucht klare Verantwortlichkeiten und eine Governance, die das Thema dauerhaft im Blick behält. Schlechte Investitionen sind solche, die nur eine aktuelle Regulatorik erfüllen oder rein reaktiv sind. Solche Projekte überleben den nächsten Technologiesprung meist nicht.
Unternehmen müssen oft entscheiden: selbst investieren oder mit anderen Unternehmen kooperieren. Wie trifft man die richtige Wahl?
Alles, was absolut essenziell für das Kerngeschäft ist, sollte man selbst kontrollieren. Je weiter man sich von diesem Kern entfernt, desto sinnvoller werden Kooperationen. Für sehr kapitalintensive Vorhaben – etwa große Offshore-Windparks – sind Kooperationen oft das Mittel der Wahl.
Wenn Sie auf die nächsten zehn Jahre schauen: Welche Infrastrukturart wird für Unternehmen am entscheidendsten sein?
Mit großem Abstand: die digitale Infrastruktur. Sie ist der Multiplikator für alles andere. KI-Anwendungen, Automatisierung, vernetzte Lieferketten – all das funktioniert nur mit einer extrem leistungsfähigen digitalen Basis. Gleichzeitig hängt das untrennbar mit der Energieinfrastruktur zusammen. Ohne verlässliche, nachhaltige Energieversorgung gibt es keine digitale Weiterentwicklung. Die Verkehrsinfrastruktur bleibt wichtig, aber ihre Grundstrukturen sind seit Jahrzehnten gelegt. Der große Hebel liegt eindeutig im Digitalen und in Energie als dessen Rückgrat.
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