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Was tun bei steigenden Kapitalkosten, Zinswende und hoher Inflation?

Ansteigende Inflation – Worauf Unternehmen jetzt achten müssen

Keyfacts

  • Die Inflation ist rasant gestiegen und lag im April bei 7,5 Prozent. Auch die langfristigen Inflationserwartungen sind gestiegen.
  • Die Kapitalkosten steigen aktuell ebenfalls, unter anderem, weil die Zentralbanken die Leitzinsen erhöhen und auch die Risikoaufschläge steigen. Der risikofreie Realzins verbleibt weiterhin im stark negativen Bereich.
  • Unternehmen sollten Zukunftserwartungen mit Szenarien abbilden.
Dr. Andreas Tschöpel
  • Partner, Deal Advisory
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7,5 Prozent. So stark haben sich die Preise in der Eurozone im April gegenüber dem Vorjahr erhöht. Die Inflation ist messbar und sichtbar. An den Preisschildern im Supermarkt, an den Tankstellen und auch bei Neueinstellungen. Dies wird zunehmend nicht mehr nur als temporärer Effekt gesehen, sondern auch die mittel- und langfristige Inflationserwartungen steigen.

Spät, aber doch nahezu zwangsläufig steigen auch die Zinsen. Ob Bauzinsen, Unternehmenskredit oder Dispozinsen – nach vielen Jahren wird Kapital wieder teurer. Die Umlaufsrendite, ein viel beachteter Maßstab für die Zinsentwicklung, hat Anfang Mai 2022 einen Wert von rund 0,9 Prozent erreicht. Dabei lag sie im Dezember vergangenen Jahres noch bei rund -0,5 Prozent. Nichtsdestotrotz ist sie weiterhin auf historisch niedrigem Niveau.

Graphik 1: Umlaufsrendite von börsennotierten Bundeswertpapieren seit 2012.

Realzinsen auf Rekordtief

Die Federal Reserve in den USA hat bereits auf die hohe Inflation reagiert und erste kräftige Leitzinserhöhungen vorgenommen. Zehnjährige Bundesanleihen der USA rentieren auch dadurch erstmals wieder über 3 Prozent. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen liegen zuletzt (Mai 2022) bei knapp unter 1 Prozent.

Im Vergleich zu der Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre ist das durchaus beachtlich. Durch die hohe Inflation ist der Realzins für sichere Staatsanleihen wie die Deutschlands dennoch weiterhin deutlich negativ. Negative Realzinsen kommen alle paar Jahre vor, aber in dieser Ausprägung (Stand Mai: ca. 6 Prozent bei mehr als 7 Prozent Inflationsrate und 1 Prozent Bundesanleihenverzinsung) sind sie außergewöhnlich, ja auf Rekordtief.

Szenarioanalysen als Schutz gegen volatile Inflations- und Zinsentwicklung

So viel zur Faktenlage. Wie geht die Entwicklung aber weiter? Genau das kann niemand zuverlässig vorhersagen. Voraussichtlich wird auch die EZB nunmehr die Zinsen anheben, vermutlich schon diesen Sommer. Doch ob dies ausreicht, die Inflation zu zügeln, bleibt unsicher. Aufgrund dieser Unsicherheit wird für Unternehmen mit Blick auf die Inflation wichtig, was sie lange gemieden haben: ein Szenariodenken.

Eine Szenarioanalyse sollte verschiedene Inflations- und Zinsverläufe durchspielen. Der Extremfall ist, dass die Inflation aus dem Ruder läuft und die Raten weiter steigen. Wie wirkt dies sich auf Ihr Unternehmen, Ihre Kapitalkosten und Ihren Einkauf aus, wenn die Inflation sich auf dem aktuellen Niveau einpendelt? Welche Preispolitik sollten Sie dann verfolgen? Ein weiteres Szenario ist die Stagflation, ein anderes die Rückkehr zu fallenden Inflationsraten in Richtung des Inflationsziels der EZB von 2 Prozent.

Nicht noch unnötig Kapital aufnehmen

Da niemand die Zukunft voraussagen kann, diese aber sehr volatil erscheint, ist es umso wichtiger, mit Erwartungswerten zu arbeiten und je nach Eintreten eines Szenarios die vorher definierten Schritte zügig umzusetzen. Schauen Sie sich Ihre Investitionspläne an, testen Sie Ihre operativen Geschäftsmodelle und Planungen für die verschiedenen Szenarien durch. Analysieren Sie auch Ihre Wertanlagen in Rahmen der regelmäßigen Impairment Tests auf Werthaltigkeit!

Sollten Sie aufgrund der steigenden Zinsen Kredite im Voraus aufnehmen oder Ihre Cashquote über Anleiheausgaben erhöhen? Auch hier gilt weiterhin: An erster Stelle sollte immer die reale Investition und deren Vorteilhaftigkeit stehen. Wenn Sie eine solche Investitionsmöglichkeit haben, lohnt es sich in der Regel, das hierfür notwendige Kapital zu beschaffen. Eine zinsgetriebene Bevorratung mit liquiden Mitteln kann hingegen zu einer unrentablen Belastung werden. Aktuell sind zudem viele Unternehmen von der Liquidität her gut aufgestellt. Das ist hilfreich, sollte im Falle eines Rezessionsszenarios die zukünftige Ertragssituation belastet werden.

Fazit

Meine Empfehlung ist, halten Sie Ihre Planungen flexibel, führen Sie Szenarioanalysen durch und betrachten Sie den Einfluss von Zinsschwankungen auf Ihre Assets und Investitionsentscheidungen. Eine zuverlässige Datenquelle ist dafür entscheidend.

Dr. Andreas Tschöpel

Wohin führt ESG die Finanzbranche?

Dr. Andreas Tschöpel
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