Die Welt ändert sich – nutzen wir die Chance

Die Möglichkeiten der Zukunft werden oft skeptisch beäugt – was dagegen hilft

Keyfacts

  • In vielen Unternehmen gibt es beim Thema Zukunft vor allem ethische und rechtliche Bedenken.
  • Veränderungsbereitschaft erfordert, dass moralische Fragen geklärt werden.
  • Zukunftsforschung hat zwar an Relevanz gewonnen, dennoch besteht noch einiger Nachholbedarf.
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Prof. Dr. Heiko von der Gracht
  • Senior Manager, Head of Assessment Services
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Über den technologischen Fortschritt, deren Nutzen und Einfluss auf Jobs und Gesellschaft wurde und wird viel gesprochen. Es gibt zwei Fotos von einem Ereignis, die die Diskussion gut zusammenfassen. Foto 1 zeigt den Petersplatz in Rom bei der Papstwahl 2005. Man sieht viele Menschen und vereinzelt ein paar Handys, die in die Luft gehalten werden, um die Wahl von Benedikt festzuhalten. Foto 2 wurde acht Jahre später aufgenommen. Der gleiche Platz, dieses Mal wird Franziskus gewählt. Wieder eine große Menschenansammlung. Der Unterschied zu 2005: Nahezu jeder der Besucher hält ein Smartphone oder Tablet in die Höhe. Heute, nochmal sechs Jahre später, setzen Extremsportler Selfie-Drohnen ein, um ihre Stunts live zu streamen.

Diese grundsätzliche Frage kommt immer wieder auf

Die technologische Entwicklung hat in den vergangenen zehn, 15 Jahren ein atemberaubendes Tempo hingelegt und unser Leben nicht nur spannender, sondern auch komfortabler gemacht. Dennoch: Das, was die Zukunft noch bringen kann wird oft skeptisch beäugt. Bei einer Konferenz mit Führungskräften bin ich vor wenigen Wochen mit dieser Skepsis konfrontiert worden. Auffällig ist, dass oft die gleichen Fragen kommen. Es sind vor allem ethische und regulatorische Fragen, die Sorgen bereiten. Außerdem beobachte ich, dass häufig die grundsätzliche Frage gestellt wird, ob wir alles (technisch) anstreben sollten, was denkbar und möglich scheint. Meine Antwort ist ein klares: Ja, aber. Ja, wir sollten uns bei der Entwicklung neuer Technologien keine unnötigen Hürden in den Weg stellen. Aber es braucht klare Regeln und Veränderungsbereitschaft. Gesellschaftlich und in den Unternehmen.

Hippokratischer Eid für Coder?

Klar ist, dass es Veränderungsbereitschaft nur dann gibt, wenn ethische Bedenken ausgeräumt werden. Dazu sollten die Fragen geklärt werden, welche Grenzen künstlicher Intelligenz (KI) gesetzt werden. Wollen wir zum Beispiel, dass ein Algorithmus unsere Lebenswahrscheinlichkeit errechnet und darüber entscheidet, ob eine neue Niere vergeben wird oder nicht? Künstliche Intelligenz heißt nicht nur unendliche Möglichkeiten, sondern eben auch, dass neue Spielregeln gelten. Eine davon könnte etwa eine Art hippokratischer Eid für KI-Coder sein. In dem Schwur müssten sich die Programmierer verpflichten gewisse Grenzen einzuhalten. Zum Beispiel, dass bei einer Organspende die endgültige Entscheidung durch Menschen gefällt wird.

Zukunftsforschung hat deutlich an Relevanz gewonnen

An der Technischen Universität in München wird bereits zu dem Thema Ethik in der künstlichen Intelligenz geforscht. Und auch der designierte Vizepräsident für Vorausschau der EU-Kommission, Maroš Šefčovič, wird sich verstärkt um Fragestellungen rund um die Zukunftsforschung widmen. Gute Beispiele, die belegen, dass Zukunftsforschung an Bedeutung gewonnen hat und die Relevanz zunimmt.

Gemeinsame Projekte stärken das Verständnis

Ethische und regulatorische Fragen offen zu diskutieren sind eine Sache. Genauso wichtig ist es, Begeisterung und Verständnis für die Möglichkeiten der Zukunft zu schaffen. Ich denke, damit kann man nicht früh genug anfangen. Strategische Vorausschau und Szenario-Planung könnten zum Schulfach werden. Auch an den Universitäten besteht noch Nachholbedarf. Um das Verständnis und die Begeisterung in die Unternehmen zu tragen, können zum Beispiel aus unterschiedlichen Abteilungen Transformationsteams, Tandems und Arbeitsgruppen Zukunftsprojekte initiieren und umsetzen. Etwa, wie sich die Rechnungslegung komplett digitalisieren oder mit welchen Mitteln sich die Customer Experience verbessern lässt. Gemischte Teams haben den Vorteil, dass jedes Mitglied eine andere Sichtweise einbringt und andere Prioritäten setzt. Ein gemeinsames Projekt, das all dies einbezieht, hat eine höhere Akzeptanz und das Verständnis für die erarbeitete Lösung ist größer. Gepaart mit regelmäßigen internen Schulungen und Weiterbildungsangeboten, wird das Verständnis weiter gestärkt.

Sehen wir die positiven Seiten der Zukunft

Ja, die Digitalisierung wird einige Arbeitsplätze überflüssig machen. Aber sie wird auch neue Stellen schaffen und viele Möglichkeiten eröffnen. Genau darum geht es mir: Die Zukunft als etwas Positives zu sehen und nicht als angsteinflößendes Etwas, das die Arbeit gefährdet. Zukunft zu gestalten bedeutet, das eigene (Arbeits)Leben zu verändern. Und wir haben es in der Hand, jetzt die Rahmenbedingungen und Grenzen festzulegen.

Prof. Dr. Heiko von der Gracht
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