Digitale Transformation: Eine Frau bewegt sich mithilfe einer VR-Brille durch eine virtuelle Welt.

Das Metaverse bietet dem Einzelhandel enormes Absatzpotenzial

Was sollten Händler beim Gang ins Metaverse beachten? Fünf wichtige Tipps.

Es ist das momentane Buzzword: „Metaverse“ – die nächste Evolutionsstufe des Internets. Damit werden digitale, dreidimensionale, multimediale Räume bezeichnet, die virtuelle und physische Elemente verbinden. Nutzer:innen bewegen sich mit Hilfe persönlicher Avatare, interagieren mit anderen Menschen und virtuellen Elementen, arbeiten, konsumieren, lernen, spielen und vieles mehr.

Marktvolumen 2030 auf mehr als eine Billion US-Dollar geschätzt

Das Metaverse leitet eine neue Technologieepoche ein, bei der auf Basis der fortschreitenden Digitalisierung die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt zunehmend verschwimmen. Dadurch verspricht das Metaverse ganz neue virtuelle Erfahrungen und Anwendungsmöglichkeiten. Für 2030 wird ein Marktvolumen von etwa 1.350 Milliarden US-Dollar erwartet.

Das Metaverse wird wirtschaftlich gewaltig an Bedeutung gewinnen. Dort können Unternehmen die bestehende Customer Journey ihrer Kundinnen und Kunden emotional noch stärker aufladen und Produkte und Dienstleistungen auf eine völlig neue Weise erlebbar machen. Denn wenn das Metaverse die Weiterentwicklung des Internets ist, warum sollte sich dann nicht auch die Kundenbeziehung auf ein neues Niveau heben lassen?

Große Chancen für Einzelhandel und Konsumgüter im Metaverse

Unsere neue Studie „Metaverse: (Un)bekannte Welt?“, die wir in Kooperation mit dem SINUS-Institut erstellt haben, zeigt: Für Händler und Hersteller bietet das Metaverse große Potenziale.

Vergleicht man die Konsumausgaben im Online-Shopping mit dem Interesse am Metaverse, ergibt sich eine zukunftsweisende Lücke: Nahezu 80 Prozent der Befragten geben Geld für Onlinekäufe aus. Von den gleichen Befragten können sich derzeit bereits 46 Prozent einen Einkauf in der neuen virtuellen Welt vorstellen. Aus dieser Differenz lässt sich angesichts der wachsenden Bedeutung des Metaverse ein enormes Absatzpotenzial für den Handel ableiten. Denn die Kundinnen und Kunden werden ihr Geld nur einmal ausgeben: heute im E-Commerce und morgen im Metaverse?

Voraussetzung dafür ist aber, dass der Handel die passenden Zielgruppen mit einem adäquaten Angebot erreicht. Denn das Metaverse folgt eigenen Regeln. Hier fünf wichtige Erkenntnisse aus unserer Studie:

  1. Unternehmen brauchen eine Metaverse-Strategie

Um es einmal ganz deutlich zu formulieren: Das Metaverse ist kein Allheilmittel für alle Herausforderungen, vor denen Händler und Hersteller heute stehen. Es bietet enormes Potenzial, aber nur, wenn Unternehmen mit einer Strategie dort einsteigen. Was wollen Sie im Metaverse erreichen? Neue Zielgruppen erschließen? Produktinnovationen testen? Ihre Brand Experience verbessern? Das Metaverse kann Teil der Antwort sein – es wird aber für Sie nicht die richtigen Fragen stellen.

  1. Wissen über die Zielgruppen ist das A und O

Nicht alle Kundengruppen sind gleichermaßen empfänglich für das Metaverse. Bei jungen Menschen ist die Affinität erwartbar höher. Sie sind bereits permanent digital vernetzt und für sie verschwimmen die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt zunehmend. Der Besitz ist nicht mehr zwingend an ein physisches Produkt gekoppelt – beispielsweise wird Musik über Streaming-Plattformen konsumiert und nicht mehr in Form von CDs gekauft.

Doch auch innerhalb der jungen Kundschaft gibt es milieubedingte Unterschiede hinsichtlich der Erwartungen an das Metaverse. Neben dem Alter prägen auch Bildungsgrad, Wertvorstellungen, Lebenswelten und die Einstellungen zur digitalen Welt die Haltung zum Metaverse und beeinflussen somit, ob und was Konsument:innen dort suchen.

Es gilt die affinen Zielgruppen zu identifizieren und ihre unterschiedlichen Erwartungen und konkreten Bedürfnisse hinsichtlich des Metaverse genau zu verstehen. Mit diesem tiefgreifenden Wissen können Unternehmen die Produktauswahl und Ästhetik an die spezifischen Präferenzen anpassen und Konsumerlebnisse zielgruppengerecht gestalten.

Details dazu würden hier den Rahmen sprengen – in unserer Studie finden Sie eine ausführliche Darstellung der vier Kernzielgruppen, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter 40 Jahren ausmachen.

  1. Das Metaverse ist nicht einfach nur Internet in 3D

Die Erfolgsrezepte aus der realen Welt und auch die gängigen Muster aus dem heutigen Internet bzw. dem E-Commerce funktionieren im Metaverse nur bedingt. Dort sollte die Customer Journey mehr als nur eine „3D-Variante“ eines Onlineshops bieten, um den hohen Erwartungen der Metaverse-affinen Kundengruppen gerecht zu werden.

Aktuell ist die Kaufbereitschaft für Erzeugnisse, die im Metaverse erworben und dann in die reale Welt nach Hause geliefert werden, am höchsten – insbesondere Kleidung, Schuhe, Elektronikartikel. Dies mag lediglich wie die Weiterentwicklung des etablierten Online-Shoppings erscheinen, doch die Ästhetik im Metaverse wird eine ganz andere sein.

Zudem ist vor allem der Konsum und Besitz von rein digitalen Produkten eine Art des Shoppings, die den meisten Unternehmen noch gänzlich unbekannt scheint. Um beispielsweise eine digitale Handtasche für einen Avatar zu verkaufen, bedarf es eines neuen Geschäftsmodells.

  1. Chancen des Metaverse kommunizieren

Aktuell überwiegen selbst bei den affinen Zielgruppen die Nutzungsrisiken, beispielsweise Angst vor Cyber-Mobbing, die Sorge, den Anschluss an die reale Welt zu verlieren, oder Zweifel an Datensicherheit. Dennoch zeigt unsere Studie: Nicht die Risiken, sondern die wahrgenommenen Chancen der Metaverse-Nutzung sind das ausschlaggebende Kriterium für die Kaufbereitschaft.

Zudem steigt das Interesse an einer Nutzung des Metaverse, wenn konkrete Szenarien mit Mehrwert dargestellt werden. Ein Beispiel: In unserer Befragung ergab sich eine eher geringe Neigung zum Kauf von Lebensmitteln im Metaverse, die dann in der realen Welt nach Hause geliefert werden. Die Nutzungsbereitschaft wuchs aber stark, als ein Szenario mit klarem Nutzen beschrieben wurde: Ein virtueller Supermarkt, der einer Person mit Lebensmittelunverträglichkeit personalisiert nur solche Lebensmittel anbietet, die diese Person gesundheitlich verträgt.

Deshalb sollten Händler die Chancen und konkreten Mehrwerte herausstellen, um potenzielle Nutzer:innen für die neue virtuelle Welt zu begeistern und Vorbehalte abzubauen.

  1. Experimentieren Sie im Metaverse

Auch wenn das Metaverse noch relativ neu ist: Der Einzelhandel sollte sich schon jetzt aktiv und ernsthaft mit der Entwicklung des Metaverse befassen. Unternehmen, die sich dort frühzeitig engagieren und Erfahrungen sammeln, werden einen bedeutenden Wissensvorsprung und damit Wettbewerbsvorteil haben, wenn das Metaverse in einigen Jahren den Massengeschmack treffen wird.

In unserer Studie „Metaverse: (Un)bekannte Welt?“ beschreiben wir neben den Metaverse-affinen Zielgruppen auch mehrere Nutzungsszenarien, die zeigen, wie das Metaverse als Brücke zwischen der digitalen und der realen Welt funktionieren kann und in welchen Bereichen kommerzielles Potenzial besteht.