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Lieferketten: Mit welchen Routen ans Ziel?

Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges auf die Warenströme

Keyfacts

  • Der Russland-Ukraine-Krieg führt zu rohstoff- und transportbedingten Lieferkettenproblemen.
  • Neue Seidenstraße könnte stark an Bedeutung verlieren.
  • Schwarzmeerhafen Constanta in Rumänien stellt fortan einen wichtigen Umschlagsplatz für den Export ukrainischer Weizenprodukte dar.
Dr. Sylvia Trage
  • Director, Consulting, Value Chain Transformation
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Der Russland-Ukraine-Krieg hat die tiefgreifenden Abhängigkeiten und inhärenten Schwachstellen globalisierter Lieferketten deutlich gemacht und hat zur Folge, dass Unternehmen sich auf diverse Herausforderungen im Rahmen ihrer Wertschöpfung einstellen müssen.

Rohstoff- und transportbedingte Lieferkettenprobleme

Dazu gehören unter anderem rohstoffbedingte Lieferkettenprobleme, die zu Engpässen und Preissteigerungen führen. Insbesondere die Preise für Öl und Gas, aber auch für Lebensmittel, wie Mehl und Sonnenblumenöl, sind gestiegen.

Neben den rohstoffbedingten Herausforderungen werden Unternehmen zudem mit transportbedingten Lieferkettenproblemen konfrontiert. Luftraumsperren, steigende Kraftstoffpreise, eingeschränkte Dienstleistungen von Logistikunternehmen, unterbrochener Schienenverkehr, Fahrer- und Fahrzeugmangel sowie Einschränkungen in der Containerschifffahrt stellen besondere Herausforderungen für das Management von Wertschöpfungsketten dar.

Ukraine und Russland zu umfahren, nimmt viel Zeit in Anspruch

Dabei wiegt unter anderem die Beeinträchtigung des Güterverkehrs zwischen Europa und China durch die eingeschränkte Nutzung von Schienen, wie die der eisernen Seidenstraße, schwer. Die Ukraine und Russland zu umfahren, nimmt viel Zeit in Anspruch und steigert die Transportkosten.

Die Einschränkungen im Schienen- und Luftverkehr haben die bereits vorher angespannte Situation im Schiffsverkehr verstärkt. Hafenüberlastung, Containermangel und geschlossene Häfen führen zu erheblichen Verspätungen und hohen, weiter steigenden Frachtraten.

Hafen in Rumänien gewinnt an Bedeutung

Häfen in angrenzenden Ländern an die Ukraine und Russland gewinnen dagegen an Bedeutung. So stellt zum Beispiel der Schwarzmeerhafen Constanta in Rumänien fortan einen wichtigen Umschlagsplatz für den Export ukrainischer Weizenprodukte dar. Der Transport zu dem Hafen soll durch die Instandsetzung von 95 Eisenbahnstrecken aus Zeiten des Kommunismus erleichtert werden.

Zudem beeinträchtigt der Krieg das chinesische Infrastrukturprojekt der neuen Seidenstraße, bei welchem die Ukraine ein wichtiger Partner ist. Daher könnte die neue Seidenstraße an Bedeutung verlieren.

Kurzfristige Lösungsansätze

Die Liste der Herausforderungen ist lang. Deswegen gilt es jetzt, die richtigen Maßnahmen zu treffen, um kurzfristig auf unterbrochene Lieferketten zu reagieren und langfristige Lösungsansätze zu erarbeiten.

Im ersten Schritt sollten Unternehmen Transparenz bezüglich ihrer betroffenen Materialien und Bezugsquellen schaffen, um ihre Wertschöpfungsaktivitäten aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus sollten alternative Transportrouten in Betracht gezogen werden.

Der mittlere Korridor über die Türkei kann hierbei künftig als Verbindung zwischen China und Europa eine wichtige Rolle als Handelsroute einnehmen.

Routen zu streichen, umzuleiten und neu zu planen, wird in den meisten Fällen mit höheren Kosten und längeren Zeiten verbunden sein, weshalb strategisch langfristige Partnerschaften mit Lieferanten eingegangen werden sollten. Kooperationen entlang der Lieferkette sind essenziell, um den künftigen Unternehmenserfolg zu sichern.

Der Aufbau sowie die Intensivierung von Partnerschaften können dabei helfen, Kosten zu minimieren, Lieferbedingungen einzuhalten sowie die Zusammenarbeit hinsichtlich kommender Herausforderungen zu verbessern.

Mittelfristige Lösungsansätze

Mittelfristig sollten Unternehmen resiliente Lieferketten aufbauen, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Lieferengpässe zu vermeiden. Dabei geht es insbesondere darum, Lieferketten zu diversifizieren und zu regionalisieren.

Multiple Sourcing mit unterschiedlichen regionalen Schwerpunkten sowie Nearshoring sorgen dafür, dass Unternehmen bei der Produktion und Beschaffung weniger anfällig sind, da kritische Bestände und Kapazitäten besser gesichert werden können und die Nähe zum Absatzmarkt bereits hergestellt ist. Daher bietet sich im Bereich Nearshoring vor allem der Westbalkan an.

Zudem tragen die Etablierung eines umfassendes Supply Chain Risk Managements sowie die Einrichtung einer internen Task Force im Bereich Engpassmanagement dazu bei, knappe Ressourcen optimal zu verwalten und Betriebsschließungen zu vermeiden.

Generell gilt es, frühzeitig alternative Lieferanten zu finden und vorausschauende Partnerschaften aufzubauen. Das ist die Grundvoraussetzung für resiliente Lieferketten. Außerdem sollten stets geopolitische Entwicklungen verfolgt und in das Risikomanagement eingebunden werden.

Ausblick

Noch sind die langfristigen Auswirkungen des Russland-Ukraine-Kriegs nicht vollständig absehbar. Jedoch steht bereits jetzt fest, dass logistische Flexibilität und ein umfassendes Lieferkettenrisikomanagement bei der Gestaltung globaler Lieferketten weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Diskussion mit Thomas Kusterer, CFO der EnBW, beim KPMG Zukunftsgipfel: Jetzt Aufzeichnung ansehen

Welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg auf die Energielandschaft hat und welche drängenden Veränderungen jetzt anstehen, haben wir beim KPMG Zukunftsgipfel diskutiert. Hier können Sie sich die Aufzeichnung ansehen.

Dr.-Ing. Sylvia Trage

Dr. Sylvia Trage
  • Director, Consulting, Value Chain Transformation
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