So treffen Unternehmen bessere Entscheidungen

Kleine Änderungen in den Prozessen führen zu mehr Profitabilität und Innovation

Keyfacts

  • Kleine Prozess-Änderungen – sogenannte Nudges – führen zu besseren Entscheidungen.
  • Mit Nudges stellen Unternehmen gemischte Teams zusammen. Gemischte Teams treffen langfristig innovativere und profitablere Entscheidungen.
  • Nudges machen die Beförderungspraxis fairer und Werbung effektiver.
Marie-Claire Tietze
  • Director
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Gemischte Teams treffen langfristig innovativere und profitablere Entscheidungen. Das belegen seriöse Studien. Gemischt heißt: Die Teams bestehen aus unterschiedlichen Mitgliedern – unterschiedlich in Bezug auf Alter und Geschlecht, Erfahrungen und Perspektiven, Fähigkeiten und kulturelle Hintergründe. Alles, was Unternehmen tun müssen, ist, gemischte Teams zusammenzustellen. Und hier wird es kompliziert. Denn intuitiv entscheiden Menschen sich für das Altbekannte, stellen also homogene Teams zusammen. Das hat etwas mit automatischem Denken zu tun, mit Vorurteilen, mit unbewussten Denkmustern – ausführlich können Sie die Gründe in den Texten und Studien von Nobelpreisträger Daniel Kahneman nachlesen. Wie Sie Ihr automatisches Denken überwinden können, fand Richard Thaler heraus – der für diese Erkenntnis ebenfalls mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Seine Theorie nennt er „Nudging“.

Was ist ein Nudge?
Nudges sind sanfte Denkanstöße, die das Gehirn dabei unterstützen, objektiver zu entscheiden. So bewirken sie Verhaltensänderungen – ganz ohne Ver- oder Gebote.

  1. Beispiel „Opt-in/ Opt-out“
    In Österreich sind knapp 90 Prozent der Bevölkerung potentielle Organspender*innen. In Deutschland sind es weniger als 30 Prozent, obwohl laut Umfragen die große Mehrheit der Bevölkerung Organspenden befürwortet. Grund ist der Prozess: Österreich registriert automatisch alle Erwachsenen als potentielle Spender*innen. Wer nicht spenden will, kann der Entnahme widersprechen (Opt-out). In Deutschland ist es umgekehrt. Hier muss die Spendenbereitschaft explizit beantragt werden (Opt-in).

Das Ändern von Auswahlmöglichkeiten – so leicht geht Nudging. Im Diversity-Management kann der Opt-in/Opt-out-Nudge zum Beispiel in der Beförderungspraxis genutzt werden. Üblicherweise reichen die Abteilungen die Namen der zu befördernden Personen ein. Dabei sind Minderheiten häufig unterrepräsentiert (Opt-in). Bittet man hingegen die Geschäftsbereiche, die Namen derjenigen abzugeben, die nicht befördert werden sollen (Opt-out), müssen Entscheidungsträger*innen reflektieren, wen sie warum nicht befördern. Aus dieser Perspektive übersehen sie Frauen und Minderheiten im Beförderungsprozess nicht mehr.

  1. Beispiel nicht-stereotype Bildsprache
    Bilder schaffen Wirklichkeit. Die Bildsprache von Unternehmen reproduziert oft ungewollt Stereotype und verleiht so ein konservatives Firmenimage. Eine aktuelle Studie zeigt, dass progressive Werbungen um 25% effektiver sind als jene, die mit stereotypen Bildern werben. Mit einer offeneren Bildsprache erhöhen Unternehmen ihre Chance im Wettbewerb und machen sich für Kund*innen attraktiv.

Das Ändern von Bildern – so leicht geht Nudging. Google, Unilever, Facebook und Microsoft zeigen alternative Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit, hinterfragen so konservative Vorstellungen und zeigen Akzeptanz für neue Möglichkeiten.

  1. Beispiel „Blind Recruiting“
    Der erste Eindruck zählt. Wissenschaftler*innen der Universitäten Harvard und Princeton fanden heraus, dass die Chancen von Musikerinnen auf eine Orchesterstelle sich signifikant verbessern, wenn sie hinter einem Vorhang vorspielen. Konzerthäuser mit „Blind Auditions“ stellen wesentlich gemischtere Orchester ein – mit der Folge, dass die Qualität steigt, weil ausschließlich die musikalischen Fähigkeiten entscheiden.

Das Aufhängen eines Vorhangs – so leicht geht Nudging. Auch im Recruiting großer Unternehmen lassen sich Personalentscheider*innen häufig von Äußerlichkeiten ablenken. Ein ausländisch klingender Nachname, das Geschlecht oder das Alter auf einer Bewerbung verringern die Chance auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Die Anonymisierung von Bewerbungen – oder sogar Blind Auditions hinter Vorhängen – häufen sich deshalb auch in großen Unternehmen. Die Ökonomin Iris Bohnet sagt: „Bewerbungsgespräche, wie wir sie derzeit kennen, wird es in zehn Jahren nicht mehr geben.“

Was bringen Nudges?
Ziel jedes Unternehmens ist es, an jeder Stelle die richtige Entscheidung zu treffen. Nudges führen zu gerechteren und besseren Entscheidungen. Sie unterstützen Menschen dabei, sich so zu verhalten, wie sie es nach reiflicher Überlegung tun würden.

Entdecken Sie Ihre eigenen Vorurteile im Video: 

Marie-Claire Tietze
  • Director
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist.