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Wohin führt ESG die Finanzwirtschaft?

Die Banken nehmen bei der nachhaltigen Transformation eine wichtige Rolle ein.

Keyfacts

  • Die Themen ESG und Nachhaltigkeit bieten Realwirtschaft und Finanzindustrie Geschäftschancen.
  • Viele Unternehmen haben jedoch noch keinen konkreten Plan, wie sie ESG in die Geschäftsstrategie integrieren.
  • Das Thema ist sehr relevant, da es die komplette Wertschöpfungskette betrifft.
Christoph Betz
  • Partner, Financial Services
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Die Zeiten, in denen ESG und Nachhaltigkeitsthemen von Unternehmen und der Wirtschaft als „Gedöns“ abgetan wurden, sind zum Glück lange vorbei. Die Themen sind fest in der Geschäftspolitik angekommen. Das gilt auch für Firmen aus der Finanzdienstleistungsbranche. Ich bin überzeugt, dass über ESG und Nachhaltigkeit noch in den nächsten Jahren, wahrscheinlich Jahrzehnten, auf Top-Managementebene verhandelt und gesprochen wird.

Nachhaltigkeit als Geschäftschance

Dafür gibt es einige Gründe. Die Themen bieten die Möglichkeit, sich neue Geschäftsfelder zu erschließen oder bestehende Produkte und Services weiterzuentwickeln. Hinzu kommt, dass Investoren, NGOs, Mitarbeitende, politische Akteure auf EU- und nationaler Ebene und die Gesellschaft zunehmend verlangen, dass sich Unternehmen zu ESG-Zielen bekennen und positiv auf die Umwelt einwirken.

Mit Nachhaltigkeitsrisiken auseinandersetzen

Auch der gesetzliche Rahmen wird enger. Das gilt für die Wirtschaft allgemein und die Finanzwirtschaft im Besonderen. Hier reicht ein Blick auf die Taxonomie der EU. Wer nicht nachhaltig handelt, wird nicht nur mit seinen Stakeholdern Probleme bekommen – ihm drohen auch Reputationsschäden. Unternehmen müssen sich auch mit Nachhaltigkeitsrisiken auseinandersetzen. Ganz konkret sollten sie für sich beantworten, wie sie mit höheren CO2-Preisen umgehen, und sich fragen, was nachhaltiges Handeln für die Lieferketten bedeutet.

Viele Unternehmen haben noch keinen ESG-Fahrplan

Eine Umfrage der Commerzbank Schweiz zeigt, wie präsent ESG in der Realwirtschaft ist: 80 Prozent der Befragten sagten, dass ESG ein Zukunftsmodell ist. Genau so sehe ich es auch. Aber die Antwort auf die nächste Frage überraschte mich dann doch. Denn nur knapp die Hälfte der Befragten hat nach eigener Aussage einen ESG-Fahrplan.

Kapitalgeber nehmen Einfluss darauf, in welche Projekte investiert wird

Ich bin der festen Überzeugung, dass Firmen aus der Finanzbranche bei der grünen Transformation eine tragende Rolle zukommt. Denn als Kapitalgeber haben sie unter anderem Einfluss darauf, in welche Projekte und Unternehmen investiert wird. Indem Banken und Asset-Manager ESG-Kriterien ernst nehmen und nachhaltige Geschäftsmodelle finanzieren, bringen sie die grüne und nachhaltige Transformation voran.

KPMG Zukunftsgipfel: Wohin führt ESG die Finanzwirtschaft

Darüber, wie Banken konkret eine grüne Agenda umsetzen und ESG-Ziele verfolgen können, habe ich mit Marc Steinkat, CEO der Commerzbank Schweiz, beim KPMG Zukunftsgipfel gesprochen.

 

Digitale Transformation und ESG gehen Hand in Hand

Die Commerzbank etwa hat im vergangenen Jahr etwa 30 Green- und Social-Bonds vergeben mit einem Gesamtvolumen von 46 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2025 will das Finanzinstitut einen Betrag von 300 Milliarden Euro investieren, sagte mir Marc Steinkat im Gespräch. Er sagte außerdem, dass vor allem im Mittelstand der Beratungsbedarf noch sehr groß ist. Gleichzeitig zeige sich aber auch, dass die Unternehmen, die früh und erfolgreich ihre digitale Transformation eingeleitet haben, auch beim Thema ESG einen Schritt voraus sind. Auch, weil sie bereits ESG-Daten erheben und analysieren. Beim Erfassen von ESG-Daten sehe ich bei vielen Banken hingegen noch Entwicklungspotential.

Was können Banken tun?

Banken können mit Blick auf nachhaltige Produkte vor allem in ihrer Rolle als Beraterin einen Beitrag zur Transformation leisten. Seit einiger Zeit nehmen Banken ESG-Parameter in ihre Kundenbetrachtung mit auf. Hier kann man Kunden gut aufklären und ihnen den Spiegel vorhalten, wo sie im Nachhaltigkeitskontext aus Bankensicht stehen.

Ein weiterer Aspekt ist das Netzwerken. Das Ökosystem „Nachhaltigkeit“ hat viele Beteiligte und ist sehr bunt: Es besteht aus Banken, Beratern, Verifizierern, Ratingagenturen und so weiter. Banken können ihren Kunden zum Beispiel ihr Netzwerk zur Verfügung stellen und vermitteln. Etwa dann, wenn sie einen aussagekräftigen Nachhaltigkeitsbericht benötigen. Es gibt zudem bereits Finanzinstitute, die dazu übergehen, ihre Werkzeuge zur Verfügung stellen, um die Nachhaltigkeitsperformance zu messen. Es gibt also viele verschiedene Möglichkeiten, wie Banken die grüne Transformation unterstützen können.

Nachhaltigkeit betrifft die gesamte Wertschöpfungskette

Keine Frage: Nachhaltigkeit als Bank in das Geschäfts- und Betriebsmodell zu integrieren, ist ein ganz dickes Brett, das es zu bohren gilt. ESG betrifft einfach die gesamte Wertschöpfungskette. Von der Strategie, über das Datenmanagement bis hin zum Reporting. Es ist jetzt besonders wichtig, Methoden zu entwickeln, um Nachhaltigkeitsleistung messen zu können. Dabei sollte darauf geachtet werden, kein Greenwashing zu betreiben. Gleichzeitig gilt es, die notwendigen ESG-Kompetenzen aufzubauen und das Thema in die gesamte Organisation zu integrieren. Zudem müssen Banken ESG-Daten aufnehmen und verarbeiten, um sowohl die eigene als auch die ESG-Leistung der Kunden messen und beurteilen zu können.

Ein weiterer wichtiger Punkt in meinen Augen: Das Thema sollte in der Führungsetage aufgehängt und gelebt werden. Aber das passiert in vielen Banken bereits und sendet ganz klar das Zeichen, welchen Stellenwert die ökologische Transformation auch für die Finanzindustrie hat und weiter haben wird.

Christoph Betz

Christoph Betz
  • Partner, Financial Services
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