E-Food: Boom oder Vergänglichkeit?

Service, Strategie, Logistik – so gelingt nachhaltiger Erfolg im E-Food-Markt

Keyfacts

  • Seit Ausbruch der Corona-Krise kaufen immer mehr Verbraucher ihre Lebensmittel online.
  • Um die neuen Kunden langfristig zu halten, sollten Anbieter vor allem ihren Service verbessern.
  • Der Blick auf den schnellen Erfolg und schwarze Zahlen ist kontraproduktiv.
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Steffen Riegel
  • Senior Manager, Deal Advisory
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Es wurde immer davon geredet, Hoffnungen geschürt, vertröstet und weiter auf den großen Durchbruch gewartet. Doch in Deutschland dümpelte der E-Food-Markt lange vor sich hin. E-Food trug hierzulande 2019 nur etwa ein Prozent zum Jahresumsatz (ca. 200 Milliarden Euro) im Lebensmitteleinzelhandel bei. In Frankreich liegt der Anteil mit rund sechs Prozent deutlich höher.

Doch der Beginn der Corona-Krise könnte eine nachhaltige Änderung eingeleitet haben. Denn inzwischen boomt der E-Food-Markt. Laut einer Bitkom-Umfrage bestellen mittlerweile rund 30 Prozent ihre Lebensmittel im Internet. Damit kaufen seit Ausbruch der Krise mehr als doppelt so viele Verbraucher online ein.

Pandemie verschiebt Kundenbedürfnisse

Liefergebühren, unvorteilhafte Lieferzeiten, nicht verfügbare Waren und andere Argumente gegen das Onlineshopping sind in den Hintergrund getreten. Die Covid-19-Pandemie hat die Prioritäten der Kunden verschoben. Sicherheit und die eigene Gesundheit sind nun die ausschlaggebenden Gründe, warum Bananen, Milch oder Tomaten im Internet bestellt werden. Ein weiterer Effekt: Da die Nachfrage nach E-Food in den vergangenen Wochen stark angestiegen ist, konnten Anbieter ihre Marketingkosten stark reduzieren. Damit fiel ein wesentlicher Kostenblock weg, was sich positiv auf die Profitabilität ausgewirkt hat.

Ob es eine nachhaltige Entwicklung ist oder ob die Onlineshopper wieder in die Läden zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehren, wird sich zeigen. Ich bin überzeugt, dass die Krise dem E-Food-Markt so viel Aufmerksamkeit gebracht hat, dass der Marktanteil dauerhaft steigen kann. Die neuen Kunden werden weiter online bestellen und die Bereitschaft, für Lieferung und anderen Service, Geld zu zahlen, wird wachsen.

Service, Service, Service und immer an den Kunden denken

Die Anbieter sollten sich dazu aber auf keinem Fall auf dem derzeitigen Boom ausruhen, sondern ihre Angebote noch kundenfreundlicher gestalten und den Service verbessern. Auch für neue Anbieter ergibt sich die Möglichkeit, in dem schweren E-Food-Markt Fuß zu fassen. Meiner Meinung nach sollte hier auf lange Sicht gedacht und kalkuliert werden. Schwarze Zahlen in den ersten Jahren sind unrealistisch. Dafür sind die Investitionen schlicht zu hoch und die Margen zu niedrig.

Nahtloses Betriebsmodell

Wie können neue Kunden gewonnen werden bzw. alte gehalten werden? Die Antwort ist einfach und naheliegend: mit exzellentem Service. Dazu können E-Food-Anbieter vor allem bei ihrer Logistik ansetzen und auf ein nahtloses Betriebsmodell setzen. Hierbei werden die Kernprozesse wie Kommissionierung und Auslieferung stark mit dem Kundenservice verwoben. Über eine App kann so für den Kunden maximale Transparenz mit Daten in Echtzeit hergestellt werden. Die Lieferfenster können klarer und enger vorhergesagt werden. Kunden können ihre Lieferung noch detaillierter tracken. Bei Lieferproblemen können sie direkt Kontakt mit dem Anbieter aufnehmen, unter Umständen sogar direkt den Lieferanten ansprechen.

Automatisierung des Lagers

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Lagerhaltung. Die Prozesse in den Lagerstätten können stark optimiert werden. Am besten durch Technologisierung und Automatisierung. Die Regale und Warengruppen können an die Bestellgewohnheiten im Internet angepasst werden. Wege werden kürzer, das spart Zeit. Roboter stellen die Bestellungen zusammen und übergeben sie direkt an die Lieferanten. Vorteile: Die Abläufe werden so optimiert, dass dem Kunden beim Bestellen Livebestände angezeigt werden und für ihn sofort ersichtlich ist, ob sein Lieblingsprodukt noch verfügbar ist.

Loyale Kunden gewinnen

Die zurückliegenden Wochen haben auf jeden Fall gezeigt, dass auch in Deutschland ein großes Potenzial für den schwierigen E-Food-Markt besteht. Die Anbieter sollten jetzt den Mut haben, bei ihren Angeboten noch stärker auf exzellenten Service zu setzen und weniger kostenoptimiert zu denken, wie es heute häufig der Fall ist. Mit einem Angebot, dass sich stark an den Bedürfnissen des Kunden orientiert, können Verbraucher nachhaltig überzeugt und zu loyalen Kunden werden.

Steffen Riegel
  • Senior Manager, Deal Advisory
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E-Food: Betriebsmodelle – Varianten für den Einstieg

Die Corona-Krise hat dem Online-Lebensmittelhandel einen Boom beschert. Supermarktbetreiber und Investoren dürften sich den E-Food-Markt wieder genauer anschauen und einen Einstieg bzw. Expansion genauer prüfen. Das Whitepaper liefert die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu möglichen Betriebsmodellen.

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