S/4HANA: Besser jetzt loslegen

Warum Unternehmen nicht zu lange mit der Einführung von S/4HANA warten sollten

Keyfacts

  • Die meisten Unternehmen wollen ihr SAP-System erst ab 2022 auf S/4HANA umstellen. Das zeigt eine neue Umfrage von Lünendonk in Kooperation mit KPMG.
  • Aus Mangel an ERP-Experten sind Projektstaus zu erwarten.
  • Eine ganzheitliche Transformation dauert, richtig gemacht, mindestens zwei Jahre.
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Hendrik Thörner
  • Partner, Consulting
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Die aktuelle ERP-Systemgeneration von SAP ist ein Auslaufmodell. Das Nachfolgeprodukt S/4HANA steht seit 2015 bereit und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Aber: Die Zahl der Unternehmen, die ihr System für das Enterprise Resource Planning bereits auf S/4HANA migriert haben, ist vergleichsweise gering.

Daran wird sich auch in den nächsten zwei Jahren wenig ändern. Rund jedes zweite Unternehmen will erst im Jahr 2022 mit der Umstellung seiner ERP-Suite auf S/4HANA starten, und weitere gut 20 Prozent wollen dann kurz vor dem Prozessbeginn stehen.

Das ergab eine Umfrage unter Unternehmen im deutschsprachigen Raum, die wir gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Lünendonk durchgeführt haben. Zwar befassen sich mehr als 50 Prozent der Unternehmen konkret mit S/4HANA, doch 70 Prozent planen frühestens in gut zwei Jahren den Start der Migration.

Mangel an ERP-Experten absehbar

Tatsächlich werden es dann vermutlich aber deutlich weniger Unternehmen sein, die starten können – aus einem simplen Grund: Fachkräftemangel. Es gibt aus heutiger Sicht einfach nicht genügend ERP-Experten, um zeitgleich all die S/4HANA-Transformationsprojekte anzugehen.

Das bedeutet: Es könnte zu Projektstaus kommen. Manches wird voraussichtlich liegenbleiben. Dazu trägt auch bei, dass die internen Fachkräfte vielfach durch andere strategisch wichtige Initiativen gebunden sind. Der Wechsel zu einem anderen Anbieter, also einem SAP-Wettbewerber, wird in der Umfrage von den wenigsten Unternehmen als realistische Option betrachtet.

Support-Ende verschoben

SAP hat darauf reagiert und die Wartung für die aktuelle Business Suite bis Ende 2027 verlängert – gegen Aufpreis sogar bis Ende 2030. Solange zu warten, ist jedoch eine suboptimale Lösung. Denn da das ERP im Zentrum der Geschäftsprozesse steht, wachsen mit jedem Jahr die Anforderungen an die Übergangslösungen und Workarounds sowie der Druck, eine neue Systemwelt zu etablieren.

Unternehmen sollten daher schlicht nicht bis 2022 oder gar 2023 mit dem Start der ERP-Umstellung warten. Damit bliebe ein längerer Zeitraum, um gezielt Potenziale zu identifizieren und in der Implementierung zu berücksichtigen.

Workarounds zügig beseitigen

Die Migration ist ein komplexer und aufwändiger Prozess. Für diese mangelt es in den Unternehmen vielfach an Expertise. So gut wie alle wollen auf S/4HANA umsteigen, vielen Unternehmen fehlt es aber an Prozesswissen und Kompetenzen für die technische Umsetzung. Wo sollen all die S/4HANA-Experten herkommen, um zeitgleich zigtausende von ERP-Migrationsprojekten zu stemmen?

Es gibt noch einen zweiten Aspekt, der dafür spricht, frühzeitig einen strategischen Dienstleistungspartner für die ERP-Umstellung zu suchen und dann zeitnah das Projekt anzugehen. Vielfach zeigt sich, dass die heutige Systemwelt den wachsenden Anforderungen bereits jetzt nicht mehr genügt. Die Folge: Schon jetzt wird oftmals mit Notlösungen und Workarounds gearbeitet, die die Prozesse unnötig komplex machen.

Es wäre sinnvoll, diese Übergangslösungen zügig zu entsorgen und die Systeme den heutigen und kommenden Anforderungen anzupassen bzw. gegebenenfalls ein neues System zu implementieren.

Optimistische Zeitplanungen

Allerdings wird vielfach relativ wenig Zeit für die S/4-Umstellung eingeplant. Wie die Lünendonk-Umfrage zeigt, setzen einige Unternehmen ein Zeitfenster von gerade einmal ein bis zwei Jahren für den kompletten unternehmensweiten Rollout an.

Das erscheint ziemlich optimistisch, zumal die meisten Umstellungen die Wechselbeziehungen zwischen vielen Fachbereichen zu berücksichtigen haben. In vielen Unternehmen gibt es wenige Experten, die die Werteflüsse zwischen den SAP-Modulen und die Beteiligung der Fachbereiche kennen. Dieses Wissen ist zunächst aufzubauen, um nachhaltige Ergebnisse im Projekt zu erarbeiten.

Wir halten einen Zeitrahmen von mindestens zwei Jahren für realistisch. Das gilt erst recht, wenn man die Chancen ergreifen will, die die Implementierung von S/4HANA bietet: die Geschäftsprozesse zu optimieren, die Systemlandschaft zu modernisieren und so das Unternehmen nachhaltig fit für die digitale Zukunft zu machen.

Unter Zeitdruck geraten? Besser nicht!

Die Umfrage zeigt, dass jedes zweite Unternehmen diese Schritte durchaus gehen möchte, sich also nicht mit einer rein technischen Migration zufriedengeben will. Nur: Eine solche ganzheitliche Transformation braucht ihre Zeit. Dafür sind Altsysteme aufzuräumen, Prozesse geradezuziehen und verstärkt zu digitalisieren – und das betrifft so gut wie alle Bereiche, da das ERP das Herzstück eines Unternehmens ist. Die Transformation sollte deshalb zeitnah angegangen werden.

Andernfalls besteht das Risiko, aufgrund unrealistischer Zeitfenster letztlich doch nur die technische Umstellung zu realisieren und die weitere Prozessoptimierung hinten anzustellen. Oder gar noch weiter abzuwarten.

Beides wären schlechte Lösungen. Wer die Schritte zur Transformation erst einmal vertagt, geht sie in vielen Fällen am Ende gar nicht mehr an und gibt sich mit dem neuen Status Quo zufrieden. Damit hätte man die gewaltige Chance vergeben, das Unternehmen mit S/4HANA zukunftsfest aufzustellen.

Hendrik Thörner
  • Partner, Consulting
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Mit S/4HANA in die digitale Zukunft

SAP will 2025 den Support seiner aktuellen ERP-Generation beenden. Wie gehen die Unternehmen im deutschsprachigen Raum an die anstehende ERP-Transformation heran? Ergebnisse der Umfrage von Lünendonk in Kooperation mit KPMG

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