Wie ich Aktienverluste steuerlich geltend mache

So verrechnen Sie Aktienverluste und geben Sie sie in der Steuererklärung an

Keyfacts

  • Eine automatische Verrechnung von Aktienverlusten und -gewinnen erfolgt nur innerhalb eines Finanzinstituts.
  • Nutzen Sie mehrere Banken oder möchten Aktien mit anderen Kapitaleinkünften verrechnen, benötigen Sie eine Verlustbescheinigung.
  • Die Verluste gehören in der Steuererklärung in die Anlage KAP.
Andreas Patzner
  • Partner, Financial Services Tax
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Mitte Februar: Rekordhoch bei fast 14.000 Punkten. Mitte März: vorläufiger Tiefpunkt bei zwischenzeitlich unter 8.400 Punkten. Kurz gefasst ist das die Dax-Entwicklung in diesem Jahr bisher.

Bekanntermaßen geht es an der Börse schon immer zwei Schritte vor und einen zurück. Auf lange Sicht sind es mitunter 20 Schritte vor und auch mal 10 zurück. Wer ungünstig gekauft hat und auf die nächsten 11 Schritte nicht warten kann (oder nicht glaubt, dass sie kommen), wird Aktieninvestments mit Verlust abschließen.

Wenn Buchverluste realisiert werden

Einige Rücksetzer einbezogen, dauerte die Hausse, die Börsenrallye, knapp elf Jahre an. Der Dax 30 legte dabei vom absoluten Tiefpunkt der Finanzkrise am 9. März 2009 bis zum 20. Februar 2020 um 276 % zu. Der MDax sogar um 605%, noch übertroffen vom TecDax mit 714%. Anders als bei vielen ausländischen Indizes, werden beim Dax Dividendenzahlungen zwar nicht rausgerechnet, dennoch eine beachtliche Entwicklung. Die aber auch nicht hilft, wenn man auf die falschen Aktien gesetzt hat oder zum „falschen“ Zeitpunkt verkaufen muss und aus Buchverlusten reale Einbußen werden.

Immerhin: Aktienverluste können steuerlich geltend gemacht werden. Wenn das nächste Mal Gewinne aus Aktien eingestrichen werden, können diese mit den Verlusten verrechnet werden, wodurch die Steuerzahlungen auf die Gewinne entfallen, solange sie die Verluste plus Sparerfreibetrag nicht überschreiten. Dieses Verfahren ist bekannt als Verlustvortrag. Verrechnet werden können dabei jedoch nur die Aktien mit Aktien, da sie einen von drei Verrechnungstöpfen bilden. Einkünfte aus Zinsen, Gewinne mit Fondsanteilen, Derivaten und Wertpapieren sowie Dividenden bilden jeweils einen separaten Verrechnungstopf.

Verlustvorträge werden bei der gleichen Bank automatisch verrechnet

Wer alle Aktien im Depot bei derselben Bank hat, muss sich darum auch keine weiteren Gedanken machen. Das Geldhaus verrechnet Verluste und Gewinne automatisch.

Wer seine Depots bei verschiedenen Banken hält, hat letztlich zwei Möglichkeiten:

Er kann sich die Verluste und Gewinne von den Banken jeweils bescheinigen lassen und sie dann der Steuererklärung der Anlage KAP beifügen, wenn er im gleichen Jahr in einem Depot realisierte Aktienkursverluste und in einem anderen Depot realisierte Aktienkursgewinne hat. Die Bescheinigung müssen die Anleger bis zum 15. Dezember beantragen. Das Finanzamt rechnet die Aktienverluste und -gewinne dann gegen.

Alternativ kann der Anleger darauf hoffen, dass er in Folgejahren wieder Gewinne aus Aktien erzielt. In diesem Fall wird er den Aktienverlustvortrag, den seine Bank automatisch fortführt, dann nutzen, wenn er auf demselben Depot oder einem anderen Depot (dann mit Verlustbescheinigung) wieder Gewinne aus Aktien ergeben.

Wichtig: In jedem Fall können Aktienverluste nur mit Aktiengewinnen und nicht mit sonstigen Kapitaleinkünften (z.B. Dividenden, Zinsen, Gewinnen aus Bonds und Fondsanteilen) verrechnet werden.

Alternative zur Vermeidung der Aktienverlustverrechnungsbeschränkung

Wer mittelbar über Investmentfonds, z.B. Exchange Traded Funds (ETF), in Aktien investiert, erzielt im Falle von Verlusten steuerlich keine „Aktienverluste“, sondern „sonstige Verluste“. Diese sind grundsätzlich mit sonstigen Kapitaleinkünften, z.B. Dividenden, Zinsen, Gewinnen aus Fondsanteilen und Bonds verrechenbar.

Andreas Patzner
  • Partner, Financial Services Tax
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