Digital Ethics: Regeln für das digitale Miteinander

Wie wir im Netz miteinander umgehen – und mit uns umgehen lassen – ist wichtiger denn je

Keyfacts

  • Künstliche Intelligenz (KI) wird heute in fast allen Bereichen eingesetzt.
  • Durch den Einsatz von KI verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine.
  • Digital Ethics definiert, wie die Akteure im Netz zum Wohle Aller miteinander umgehen sollten.
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Alexander Geschonneck
  • Partner, Head of Compliance & Forensic
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Hinter den meisten Anwendungen, die wir heute im Zusammenhang mit Digitalisierung diskutieren, steckt eine Form von Künstlicher Intelligenz. Sie ist in so ziemlich jedem Lebens- und Wirtschaftsbereich einsetzbar, egal, ob es sich dabei um optimale Bedingungen für die Ernte von Gemüsebauern, eine automatisierte Klassifizierung von Dokumenten oder um autonomes Fahren handelt.

Weil dabei immer größere Datenmengen bewegt werden, wird auch der verantwortungsvolle Umgang damit immer wichtiger. Wer genau hat Zugriff auf die Daten? Zu welchen Zwecken werden sie noch verwendet? Solche Fragen muss jedes Unternehmen, das das Vertrauen von Kunden, Geschäftspartnern und Lieferanten gewinnen und behalten will, beantworten können. Und es muss insgesamt beim Datenschutz überzeugende Lösungen entwickeln und kommunizieren.

Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt

Womit wir konkret bei Digital Ethics sind – man spricht hier auch von der Moral des digitalen Handelns. Die beschäftigt sich erstens damit, wie einzelne Akteure und Gruppen, die via Netz in Beziehung zueinander treten, miteinander umgehen (sollten). Diese Akteure können sowohl Menschen als auch Maschinen sein. Zweitens geht es bei Digital Ethics um Fragen rund um die Verantwortung, die Entwickler jener Anwendungen tragen, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Entscheidungen treffen. Wie werden diese Anwendungen programmiert? Wie gehen diese Anwendungen mit den Daten um? Wie kann man Entscheidungen von selbstlernenden Algorithmen später nachvollziehen? Kann ich das Selbstlernen steuern?
Mit solchen und weiteren Fragen beschäftigt hat sich das Institut für digitale Ethik.
Es benennt fünf potentielle Risiken beziehungsweise Herausforderungen:

  1. Die Gefahr, dass individuelle Handlungsfreiheit durch die Ungewissheit über den Verbleib der eigenen Daten eingeschränkt wird.
  2. Verletzendes Kommunikationsverhalten, vor allem im Zusammenhang mit Sozialen Medien.
  3. Die Gefahr, dass sich ein immer größerer Teil des kollektiven Wissens hinter Suchmaschinen verbirgt und die Quasi-Monopolisten Informationen vorselektieren beziehungsweise nach ihrem Belieben filtern.
  4. Weitere Gefährdungspotenziale durch Online-Medien, zum Beispiel die Verbreitung von Propaganda oder Gewaltvideos.
  5. Ein potentiell negativer Einfluss von virtueller Realität auf unser Bewusstsein und unser Verhalten.

Am gefährlichsten ist vermutlich der dritte Punkt: die Kontrolle (und mögliche Manipulation) unseres Wissens durch Monopole.

KI hat kein Gewissen

Allerdings geht es in dieser Diskussion nicht nur um den Einfluss von (Daten-)Technik auf uns Menschen, sondern umgekehrt auch um die Frage, inwieweit wir Menschen Technik gezielter als bisher steuern müssen. Denn wenn immer mehr Arbeiten durch Maschinen ausgeführt oder unterstützt werden, die teilweise oder vollständig autonom arbeiten, dann muss es auch für sie Rechte und Pflichten geben. Um dies zu ermöglichen, werden wir Entwicklern und Nutzern solcher Maschinen ein hohes Maß an Transparenz abfordern müssen. Denn Künstliche Intelligenz hat kein natürliches, also menschliches, Gewissen.

Ein weiteres Risiko im Zusammenhang mit KI und rapide wachsender Rechenleistung schließlich sehen Kritiker in der sogenannten Singularität. Gemeint ist damit die Gefahr, dass sich Künstliche Intelligenz mithilfe weiter steigender Rechenleistung selbsttätig rasant verbessert und so außer Kontrolle gerät. Experten sprechen sogar von Computern, die intelligenter als Menschen sind. Es heißt, dass ein solches System die letzte Erfindung sei, die der Mensch macht – weil ihm anschließend alles weitere aus der Hand genommen ist.
Digital Ethics hat hierbei die wichtige Aufgabe zu hinterfragen, wie sich eine solche Entwicklung verhindern beziehungsweise regulieren lässt.

Alexander Geschonneck
  • Partner, Head of Compliance & Forensic
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