CO2-Emissionen: Wenn die Wohnung zum Büro wird

Was Firmen bei Homeworking-Modellen im Hinblick auf Nachhaltigkeit beachten sollten

Keyfacts

  • Telearbeit scheint auf den ersten Blick für Unternehmen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten nur Vorzüge zu haben.
  • Dabei wird oft übersehen, dass sich bei flächendeckendem Homeworking die privaten CO2-Emissionen der Angestellten deutlich erhöhen können.
  • Firmen sollten die so entstandenen Emissionen kommunizieren und können versuchen, mithilfe von Anreizsystemen den CO2-Ausstoß zu reduzieren.
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Gerd Krause
  • Partner, Risk & Compliance Services
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Arbeiten von zuhause und unterwegs: Die Corona-Krise hat in großen Teilen der Wirtschaft die Ausbreitung von Homeworking und Remoteworking deutlich beschleunigt. Laut einer ifo-Umfrage will die Mehrheit der Unternehmen diese Modelle in der neuen Normalität dauerhaft ausweiten.

Auf den ersten Blick scheint das unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten nur Vorteile zu haben: Unternehmen können kleinere Büros mit bedeutend geringerem Energieverbrauch anmieten. Die Mitarbeitenden müssen seltener ins Auto steigen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen.

Doch bei näherer Betrachtung ist das Thema komplexer, wie unser Whitepaper „Neue Normalität, neue Wesentlichkeit“ ausführt. Denn mit flächendeckendem Homeworking sinkt zwar der CO2-Ausstoß der Unternehmen, doch gleichzeitig können sich die privaten Emissionen der Angestellten deutlich erhöhen. Das sollten Firmen ernst nehmen – und zwei Punkte beachten:

Punkt 1: Im Homeworking können beträchtliche CO2-Emissionen entstehen

Der Energieverbrauch am Heimarbeitsplatz wirkt intuitiv wie eine vernachlässigbare Größe. Rechnet man jedoch exemplarisch nach, verändert sich das Bild schnell:

Dazu summiert man die Energiemenge, die ein Mitarbeitender verbraucht, wenn er einen Arbeitstag lang seine Wohnung heizt bzw. kühlt, mit normalen Lampen beleuchtet und wie in diesem Beispiel einen Computer samt externem Monitor benutzt.

Wenn man das beispielhaft für ein durchschnittliches Dienstleistungsunternehmen durchrechnet, kommt man auf einen jährlichen Verbrauch von rund 950 Kilowattstunden pro Vollzeitbeschäftigtem. Ein stattlicher Betrag. Zum Vergleich: Im Büro verbrauchen Vollzeitangestellte unseres Beispielunternehmens jährlich rund 3.600 Kilowattstunden Energie.

In jedem Fall könnte die sich daraus ergebende Menge an Treibhausgasemissionen als wesentlich für die Unternehmensberichterstattung angesehen werden. Vor allem im Dienstleistungssektor ist dies für das Jahr 2020 sowie für nachfolgende Geschäftsjahre sehr wahrscheinlich der Fall. Für produzierende Unternehmen ist das Thema in der Regel weniger relevant.

Unsere Berechnungen im Whitepaper zeigen: Wenn in dem genannten Beispielunternehmen die Angestellten ein Drittel ihrer jährlichen Arbeitszeit im Homeworking verbracht haben, könnte der so entstandene CO2-Ausstoß 2,5 Prozent der Gesamtemissionen ausmachen – und somit die Wesentlichkeitsschwelle erreichen, die bei einer Prüfung mit hinreichender Sicherheit („Reasonable Assurance“) üblich ist.

Aus diesen Gründen sollten Firmen kalkulieren, wie hoch der Energieverbrauch ihrer Belegschaft im Homeworking ist und dies gegebenenfalls in ihrem Reporting kommunizieren. Die Schwierigkeit: Es gibt noch keine etablierten Standards und Praktiken, wie sich die CO2-Emissionen im Homeworking quantifizieren und etwa in Nachhaltigkeitsberichten darstellen lassen.

Punkt 2: Unternehmen können nachhaltiges Homeworking unterstützen

Die Kommunikation der Emissionen ist nur der erste Schritt. Unternehmen können ihre Mitarbeitenden auch dabei unterstützen, ihr Homeworking möglichst nachhaltig zu gestalten.

So können Firmen erwägen, ihre Belegschaft mit einer gleichermaßen energiesparenden und komfortablen IT-Ausstattung für das Arbeiten von zuhause versorgen. Zudem sollte verhindert werden, dass etwa die Anzahl von externen Monitoren verdoppelt wird, weil die Mitarbeitenden sowohl zuhause als auch im Büro jeweils einen Bildschirm des Unternehmens verwenden.

Darüber hinaus können Unternehmen nach Möglichkeit versuchen, Anreize zu setzen. Zum Beispiel, indem sie mithilfe von Kooperationen Angestellten Sondertarife für Ökostromverträge ermöglichen. Oder indem sie eine kostenlose Energieberatung anbieten. Auch Schulungen, wie sich in den eigenen vier Wänden Energie sparen lässt, sind denkbar.

Unternehmen, die so handeln, können nicht nur Einfluss auf die CO2-Bilanz der Telearbeit ihrer Beschäftigten nehmen. Sie machen sich auch für ihre Stakeholder – von Investoren über Belegschaft bis hin zu potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – attraktiv.

Fazit

Flächendeckendes Homeworking ist nicht automatisch grün. Unternehmen sollten die in Telearbeit entstehenden CO2-Emissionen berechnen und kommunizieren. Zudem können sie nach Möglichkeit versuchen, sie mit Angeboten für Mitarbeitende zu reduzieren.

Am besten nutzen Firmen die Zeit der Pandemie, um sich auf das Thema einzustellen. Denn mit der Ausbreitung von flexiblen Arbeitsmodellen in der neuen Normalität wird sicher auch ihre Regulierung im Hinblick auf Nachhaltigkeit kommen.

Gerd Krause
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Neue Normalität, neue Wesentlichkeit

Die Corona-Krise hat in großen Teilen der Wirtschaft die Ausbreitung von Homeworking und Remoteworking deutlich beschleunigt. Was das für den CO2-Fußabdruck von Unternehmen bedeutet und welche Konsequenzen sich daraus für das Reporting ergeben, beschreibt unser Whitepaper.

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