Telekommunikation: Ungleich und Ungleich gesellt sich gern

Wie sich Telekommunikationsunternehmen für die Zukunft aufstellen.

Keyfacts

  • Telekommunikationsunternehmen müssen sich mit neuen Geschäftsmodellen am Markt positionieren, wenn sie nachhaltig Erfolg haben wollen.
  • Ungewöhnliche und ungleiche Partnerschaften sind dabei ein erfolgversprechender Weg.
  • Auch die großen deutschen Unternehmen haben das erkannt und entsprechende Kooperationen geschlossen.
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Marc Ennemann
  • Partner, Head of Value Chain Transformation
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Das klassische Geschäft der Telekommunikationsunternehmen, die Vermittlung von Sprachdiensten über Festnetz oder Mobilfunk ist weltweit kein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell mehr. Möchten die großen Firmen den Geschäftserfolg der zurückliegenden Jahre auf die Ära des Internet of Things übertragen, ist eine Neupositionierung in der Wertschöpfungskette datengetriebener Geschäftsmodelle unerlässlich. Ein Schritt ist es, das Geschäftsmodell um IoT-Plattformen zu ergänzen.

Ungleiche Partnerschaften werden wichtiger

Den Wettbewerb in einem IoT-Ecosystem werden nur diejenigen bestehen, denen es gelingt, auf ihre vorhandenen Netzwerkinfrastrukturen, IoT-Plattformen und praktische Anwendungen aufzusetzen. Ich denke hierbei beispielsweise an innovative Dienste wie vernetztes Fahren, Smart City oder die Möglichkeiten von Big Data. Das Angebot von Konnektivität bliebe somit nur als Teil eines Gesamtpakets ein verheißungsvolles Geschäftsmodell.

Wie kann es gelingen, in relativ kurzer Zeit neue Expertise aufzubauen? Durch die Einbindung von ungleichen Partnern. Die internationale Studie „Operating in a disruptive world – 2018 Telco CEO Outlook“ zeigt, dass sich nahezu alle der rund 290 befragten CEOs diese Aufgabe zutrauen. Sie sind zuversichtlich, dass ihr Unternehmen in den nächsten drei Jahren wachsen wird. Trotz oder gerade wegen des dynamischen Marktumfeldes. Der fachfremde Kompetenzaufbau – eine wichtige Voraussetzung für zukünftiges Wachstum – soll über die Etablierung eines innovativen Ökosystems erfolgen, in das Firmen mit komplementären Geschäftsmodellen eingebunden werden sollen.

Viele Telko-Unternehmen setzen auf Übernahmen

Tatsächlich sieht die größte Gruppe der Befragten strategische Partnerschaften (65 Prozent) oder Fusionen und Übernahmen (41 Prozent) als entscheidende Hebel, um das notwendige Know-how für das eigene Unternehmen zu erschließen (siehe Grafik). Da der Akzent auf disruptiven Geschäftsmodellen liegt, sind vor allem Partner gefragt, die auf ungleichen Spielfeldern erfolgreich sind. So bringen 75 Prozent der Befragten einen moderaten oder großen Appetit auf Übernahmen zum Ausdruck.

 

 

Die Taktik der die Branchenriesen in Deutschland

In Deutschland weisen einige Entwicklungen darauf hin, dass die großen Telekommunikationsunternehmen ähnliche Strategien verfolgen. Branchengrößen wie Telekom, Vodafone, Telefonica und Freenet gehen ebenso zunehmend Partnerschaften mit Akteuren ein, die nicht ihrem klassischen Kerngeschäft zuzuordnen sind. Werfen wir doch kurz einen Blick darauf, welche Strategien die Unternehmen gewählt haben.

Strategische Allianzen

Die Deutsche Telekom vertraut bei Ihrer Suche nach ungleichen Partnern insbesondere auf strategische Allianzen. Bei der Entwicklung ihrer „Cloud of Things“ hat die Deutsche Telekom eng mit der Firma Cumulocity kooperiert, um Geschäftskunden eine Plattform zu ermöglichen, über welche End-to-End-Angebote ermöglicht werden. Ferner ruft die Telekom mit ihrem Programm „Hubraum“ Start-ups dazu auf, mit ihr strategische Partnerschaften zu schließen. Die Initiative fruchtet bereits. Eine bulgarische IoT-Firma, die sich auf Smart-Home Produkte spezialisiert, ist dem Programm beigetreten. Auch ein Start-Up aus Ungarn arbeitet nun mit der Telekom zusammen. Die Firma bietet Lösungen zur robotergesteuerten Prozessautomatisierung.

Einstieg ins Fernsehgeschäft

Die Freenet AG ist mit der Übernahme von Media Broadcast in das TV-Geschäft eingestiegen. Im Consumer-Bereich verspricht sich der Anbieter von der Übernahme, einen deutlichen Fußabdruck im Bereich cloudbasierter, innovativer Entertainment-Dienste in exzellenter Bildqualität zu hinterlassen. Im B2B-Sektor strebt Freenet durch die Übernahme an, mit IPTV-Lösungen neue Werbeformate mit Realtime-Targeting zu ermöglichen.

Kooperationen mit Autoherstellern

Auch bei Vodafone ist Interesse an ergänzenden Geschäftsmodellen zu erkennen. So hat Vodafone Deutschland Ende 2016 sämtliche Anteile an der Dresdner RadioOpt GmbH übernommen, einem Spezialisten für die schwarmbasierte Analyse der Netzwerk-Performance mittels Smartphone-Applikationen. Durch die Akquisition des Big-Data Analysten wird geplant, die Geschwindigkeit der Implementierung neuer Technologien zu beschleunigen. Seit 2014 kooperiert Vodafone eng mit Audi und VW, um das vernetzte Fahren inklusive innovativer Versicherungsmodelle voran zu treiben.

Flughafen trifft Telekommunikationsunternehmen

In 2018 startete Telefonica gemeinsam mit dem Flughafen München ein Pilotprojekt im Bereich Smart City, um gemeinsame Projekte auszuloten. Als erstes Vorhaben zur Effizienzsteigerung des Flughafens mittels smarter digitaler Vernetzung wurden die Zähler für Strom und Wasser, die Beleuchtungssysteme sowie die Gepäcklogistik unter die Lupe genommen.

Die Beispiele zeigen, dass auch die deutschen Telekommunikationsunternehmen eine führende Rolle im dynamischen IoT-Ecosystem anstreben und erkannt haben, dass für sie – ähnlich wie für die befragten CEOs der internationalen Studie – der Weg dorthin über Partnerschaften unter Ungleichen gehen wird.

Marc Ennemann
  • Partner, Head of Value Chain Transformation
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