Die Straßenverwaltung braucht einen Spurwechsel

Welche Aufgaben durch die zukünftige Mobilität für die Straßenbehörden entstehen

Keyfacts

  • Die neue Mobilität stellt geänderte Anforderungen an die Infrastruktur.
  • Die Straßen, auf denen in 20 Jahren autonome Fahrzeuge unterwegs sein werden, entstehen heute.
  • Die Straßenverwaltungen sollten ihre Aufgaben ganzheitlich denken – sechs Felder haben wir dazu identifiziert.
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Dr. Moritz Püstow
  • Partner, Leiter Öffentliches Wirtschaftsrecht, KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
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Die Digitalisierung wird den Straßenverkehr grundlegend verändern. Am offenkundigsten ist die Entwicklung des autonomen Fahrens, also von Fahrzeugen, die sich selbst steuern und keinen Fahrer mehr benötigen. Sie werden vernetzt sein und miteinander und mit dem Umfeld Daten austauschen.

Diese Mobilitätsrevolution ist vergleichbar mit der Einführung des Internets – oder, um im Themenfeld zu bleiben, einst mit dem Wechsel von der Pferdekutsche zum Auto. Prognosen zufolge werden bereits im Jahr 2040 zwei Drittel der neu verkauften Pkw vollautonome Fahrzeuge sein. Die Verkehrsmenge wird bis dahin weiter zunehmen, die Infrastruktur weiter altern.

Auch wenn es bis dahin noch 20 Jahre sind: Die Straßen, die dann genutzt werden, werden heute geplant und gebaut. Um den Verkehr sicherer, ökologischer und flüssiger zu machen, braucht es Entscheidungen über den Umgang mit Daten. Deshalb sollte die Straßenverwaltung die Anforderungen der neuen Mobilität bereits jetzt ganzheitlich berücksichtigen.

Sechs neue Rollen für die Behörden

Wird die Straßenverkehrsinfrastruktur in Deutschland die an sie gestellten Anforderungen auch in den kommenden Jahrzehnten erfüllen können? Das hängt davon ab, wie gut die Straßenverwaltungen sich heute schon für die Zukunft aufstellen.

In einem Positionspapier haben wir von KPMG Law gemeinsam mit IBM sechs Rollen identifiziert, in denen die Fernstraßenverwaltung agieren sollte, um den Herausforderungen mit Erfolg zu begegnen:

  1. eine kundenzentrierte Beziehung zu den Nutzern der Infrastruktur („Kundenversteher“),
  2. eine zügigere Realisierung von Projekten („Beschleuniger“),
  3. die strategische Instandhaltung von Infrastruktur („Infrastrukturbewahrer“),
  4. die Nutzung von Daten („Datenhändler“),
  5. die Ausgestaltung der Infrastruktur unter Berücksichtigung zukünftiger Mobilität („Neudenker“),
  6. die Nutzerfinanzierung („Geldgeber“).

Die Straße wird smart

Die Straße wird zur digitalen Plattform: Die smart road ist die Schnittstelle zwischen dem Infrastrukturnutzer, dem Fahrzeug und dem Fahrbahnbetreiber – und letzterem obliegt die Aufgabe der Koordinierung. Voraussetzung dafür ist ein Austausch von Daten. Dafür braucht es entlang der Straßen eine leistungsfähige und sichere Telekommunikationsinfrastruktur mit Glasfaser- und 5G-Netzen. Von grundlegender Bedeutung ist, welche Daten erhoben und wie diese genutzt werden.

Doch auch bei Bauprojekten sollten die Straßenverwaltungen die Chancen der Digitalisierung nutzen. Wenn Dokumente und Prozesse standardisiert und Kommunikationsplattformen eingerichtet werden, auf denen Behörden und private Akteure sich über das Projekt austauschen können, dann wird die Transparenz erhöht und Vorhaben lassen sich zügiger planen und realisieren.

Instandhaltung mit Asset Management optimal organisieren

Einen Beitrag leistet die Digitalisierung auch für den Erhalt der Infrastruktur. Der Instandhaltungsbedarf in Deutschland ist enorm – um hierfür die Investitionsmittel ideal einzusetzen, ist ein effizientes Asset Management notwendig. Es nutzt Daten zur Zustandsbewertung, die u.a. von in die Straßen verbauten Sensoren und aus Bildaufnahmen von Drohnen stammen, die die Strecken scannen. In Dänemark wird diese Technologie bereits genutzt.

Aus diesen Informationen sowie Erfahrungswerten aus anderen Erhaltungsmaßnahmen können moderne Analyseinstrumente den Zustand der Infrastruktur bewerten und Zustandsveränderungen prognostizieren (Predictive Maintenance). Auf dieser Basis – ergänzt um Daten zur Marktsituation und zu Personalkapazitäten – lassen sich Maßnahmen zur Instandhaltung und Erneuerung von Straßen oder Brücken richtig priorisieren und umsetzen.

Start der Autobahn GmbH zur Neuausrichtung nutzen

Die Datenmenge im Straßenverkehr wird in den nächsten Jahren rapide ansteigen. Eine moderne Straßenverwaltung nutzt diese Daten, um mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) Verkehrsströme und -dichte vorherzusehen und damit Verkehr smart zu steuern. So lassen sich Staus, Lärm und Abgasbelastungen verringern und die Verkehrssicherheit erhöhen – selbst bei den prognostizierten höheren Verkehrsaufkommen. Denn autonome Fahrzeuge werden den Verkehr flüssiger machen und mit geringeren Abständen fahren können, was die Kapazität der bestehenden Straßen erhöht.

Jetzt ist ein günstiger Zeitpunkt, all diese Themen ganzheitlich anzugehen. Am 1. Januar 2021 übernimmt die neu gegründete bundeseigene Autobahn GmbH von den Bundesländern Planung, Bau und Erhalt der Bundesfernstraßen. Die Themen der Zukunft dürfen dabei nicht aus dem Blick geraten, um angemessen den Rahmen für die neuen Formen der Mobilität – Elektrofahrzeuge, autonomes Fahren, Ridesharing – zu schaffen. Für Bund, Länder und Kommunen ergibt sich die Chance zur Neupositionierung ihrer Straßenverwaltung gegenüber den Nutzern.

Dr. Moritz Püstow
  • Partner, Leiter Öffentliches Wirtschaftsrecht, KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
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Spurwechsel: Neue Perspektiven für die Fernstraßen­verwaltung der Zukunft

Die neue Mobilität stellt geänderte Anforderungen an die Infrastruktur. KPMG Law und IBM beschreiben in ihrem gemeinsamen Positionspapier sechs Felder, in denen die Straßenverwaltungen sich neu positionieren sollten.

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