Fair Fashion durch Fair Play: Lieferkettengesetz für mehr Nachhaltigkeit

Das Lieferkettengesetz wird kommen. Wie Unternehmen es zu ihrem Vorteil nutzen können.

Keyfacts

  • Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind wesentliche Trends in der Modebranche.
  • Das Lieferkettengesetz soll einen gesetzlichen Rahmen für die unternehmerische Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette darstellen.
  • Das Gesetz kann Unternehmen dabei helfen, ihre Reputation zu stärken, insbesondere in Bezug auf ihr Nachhaltigkeitsengagement.
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Verena Lensch
  • Manager, Consulting
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Stammt das neue T-Shirt aus einer Fabrik mit ausreichenden Sicherheitsstandards für die Mitarbeiter? Braucht es eine neue Jeans oder genügt auch ein Secondhand-Kleidungsstück? Wird Kleidung in Zukunft nicht mehr gekauft, sondern geliehen? Lässt sich Kleidung komplett in seine einzelnen Fasern zerlegen und zu einem neuen Kleidungsstück verarbeiten? Die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind wesentliche Trends der Modeindustrie, die die Branche beeinflussen und zum Umdenken bewegen.

Nachhaltigkeitstrend wächst, aber Preis auf Kundenseite aktuell noch entscheidend

Das zeigen auch die Ergebnisse unserer Studie „Fashion 2030 – Sehen, was morgen Mode ist“. Die Hälfte der befragten Konsumenten sehen Nachhaltigkeit als ein lohnendes Konzept. Dazu zählen auch Re-Commerce und Secondhand. 34 Prozent der Konsumenten kaufen bereits gebrauchte Kleidung, weitere 28 Prozent können es sich vorstellen.

Die Umfrage zeigt aber auch: Die Nachhaltigkeitsentwicklung der Branche steht noch am Anfang. Kunden sind oftmals immer noch nicht bereit, für Nachhaltigkeit auch tatsächlich mehr zu bezahlen. Nachhaltigkeit wird aus Kundensicht zwar tendenziell immer wichtiger beim Kauf, der Preis ist derzeit aber immer noch das entscheidende Kriterium bei der Kaufentscheidung.

Doch der Wunsch nach günstiger Ware geht häufig auf Kosten der Menschenrechte und der Umwelt. Die Modeindustrie sieht sich teilweise noch immer mit unfairen Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Ausbeutung und Umweltverschmutzung konfrontiert. Sie verursacht insgesamt bis zu 10 Prozent der globalen Co2-Emissionen.

Wie schafft es die Branche, sich nachhaltiger aufzustellen und für transparente Lieferketten und faire Arbeitsbedingungen zu sorgen?

Lieferkettengesetz für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit

Laut unserer Studie wird die Verantwortung für mehr Nachhaltigkeit in der Modeindustrie aus Kunden- und Unternehmenssicht auch bei der Politik gesehen. Eine gesetzliche Änderung könnte jetzt für den gewünschten politischen Rahmen sorgen: das Lieferkettengesetz.

Mit dem Gesetz sollen Unternehmen dazu verpflichtet werden, über ihre Anstrengungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit Bericht zu erstatten. Bis jetzt gibt es nur eine sogenannte Sorgfaltspflicht ohne gesetzlichen Rahmen. Und nur rund 20 Prozent der Unternehmen halten sich bisher an die Selbstverpflichtungsvorgaben. Durch das Lieferkettengesetz soll sich das ändern. Diejenigen, die hierfür bereits gut aufgestellt sind, würden sich somit einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

Das Lieferkettengesetz wird den gesetzlichen Rahmen zur Sorgfaltspflicht im Hinblick auf die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz entlang der gesamten Lieferkette bilden. Hersteller und Händler müssen in jedem Wertschöpfungsabschnitt der Lieferkette, die eigenen Vorlieferanten kennen und entsprechend der Nachhaltigkeitskriterien aussuchen. Das Lieferkettengesetz ist somit eine Möglichkeit, Nachhaltigkeit konsequent in der Wertschöpfungskette zu verankern und etablieren.

Potenzielle Vorteile für Unternehmen

Das Lieferkettengesetz sorgt zunächst für einen erhöhten bürokratischen Aufwand bei Unternehmen: Wertschöpfungsketten gilt es, sorgfältig zu dokumentieren und Nachweise über eingehaltene Standards aller Stakeholder, wie beispielweise der Lieferanten, zu belegen.

Doch die Umsetzung nachhaltiger Strategien bedeutet eine Investition in die Zukunft und bringt somit mittel- bis langfristig viele Vorteile für Unternehmen mit sich. So stellt man beispielweise eine erhöhte Transparenz in der Lieferkette sicher, spart Kosten aufgrund eines verminderten Ressourcenverbrauchs, gewinnt an Reputation durch ein klares Nachhaltigkeitsbekenntnis und kann somit auch die Mitarbeiterzufriedenheit im Unternehmen steigern.

Wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Modeindustrie

Meiner Meinung nach ist das Gesetz ein erster wichtiger Schritt, um gleiche Rahmenbedingungen, ein sogenanntes einheitliches „Level Playing Field“, für alle Markteilnehmer zu schaffen.

Das bedeutet aber nicht, dass ein Gesetz allein ausreichen wird, um die Branche nachhaltiger zu gestalten. Alle beteiligten Stakeholder, seien es Hersteller, Händler, die Politik oder Konsumenten, sollten sich auch weiterhin abseits des gesetzlichen Rahmens um mehr Nachhaltigkeit bemühen.

Ein systematisches Risikomanagement wäre eine Möglichkeit, um bestehende Risiken kontinuierlich zu ermitteln, zu überwachen und zu analysieren. Daraus ableitend kann ein Maßnahmenpaket definiert werden, um negative Konsequenzen möglichst im Vorhinein zu minimieren.

Verena Lensch
  • Manager, Consulting
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Fashion 2030: Sehen, was morgen Mode ist

Welche Weichen sollten Modeunternehmen heute stellen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein? Für die Fashion-Studie haben wir gemeinsam mit dem EHI Retail Institute Konsumenten zu ihren Einkaufsgewohnheiten befragt sowie Interviews mit Händlern und Herstellern zu den Herausforderungen und Chancen der Modebranche mit einer 10-Jahres-Perspektive geführt.

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